Heute würde ich mich nicht mehr so schnell operieren lassen

Foto von älterem Paar im Grünen (mitarart / iStock / Thinkstock) Gerda, 71 Jahre

„Ich finde, Frauen sollten zuerst andere Behandlungsmöglichkeiten testen als eine Gebärmutter-Entfernung. Diesen Schritt muss man sich gut überlegen.“

Ich war so Anfang 30, als ich bemerkt habe, dass meine Regelblutungen stärker wurden. Sie wurden langsam immer stärker, nicht von einem Monat auf den nächsten, sondern über einen längeren Zeitraum. Ich hatte keine Schmerzen, aber die Blutmenge wurde einfach auffallend mehr.

Der Arzt empfahl eine Operation

Daraufhin bin ich zum Arzt gegangen. Er hat eine Ultraschalluntersuchung gemacht und mehrere Myome als Ursache für meine starken Regelblutungen festgestellt. Er riet mir, die Gebärmutter entfernen zu lassen. Ich habe der Operation zugestimmt, auch weil ich doch ein wenig Sorge vor einer Krebserkrankung hatte. Es wurden vorher keine anderen Behandlungen ausprobiert, sondern gleich operiert. Das ging alles sehr schnell, innerhalb eines Monats.

Blasenprobleme nach der Operation

Die Gebärmutter wurde bei mir über einen Bauchschnitt entfernt. Nach der Operation dachte ich, dass jetzt alles in Ordnung ist. Aber ich habe relativ schnell gemerkt, dass ich immer wieder Probleme mit der Blase hatte. Am Anfang dachte ich, das sei ganz normal und wird sich mit der Zeit wieder einspielen. Aber es ist geblieben. Ich muss sehr häufig zur Toilette. Ich habe oft nicht so viel Blaseninhalt, aber ich muss immer irgendwie in der Nähe einer Toilette sein. Mittlerweile kann ich damit aber meistens umgehen. Wenn ich beispielsweise ins Kino oder Theater gehe, dann setze ich mich auf einen Platz am Rand. Damit ich das Gefühl habe, immer schnell zur Toilette zu können, falls ich muss.

Meine Operation war ja 1977 – sie ist also schon viele Jahre her. Der Arzt meinte damals, dass die Entfernung der Gebärmutter das Beste sei. Ich habe das so hingenommen. Ich fand das in diesem Moment auch gut für mich. Ich habe mir gedacht, dass ich dann nicht mehr meine Regelblutung habe, die ich manchmal schon als unangenehm empfunden habe. Und Kinder wollte ich auch nicht mehr bekommen. Aber im Nachhinein bereue ich die Operation ein wenig, denn seitdem habe ich diese Blasenprobleme.

Heute würde ich mir eine Zweitmeinung einholen

Das belastet mich als Folge der Gebärmutter-Entfernung doch sehr. Ich finde, Frauen sollten zuerst andere Behandlungsmöglichkeiten testen als eine Gebärmutter-Entfernung. Diesen Schritt muss man sich gut überlegen.

Mit dem heutigen Wissen und meiner Erfahrung würde ich mich nicht mehr so schnell operieren lassen und auch erst eine zweite ärztliche Meinung einholen. Ich würde viel überlegter an die Entscheidung gehen, mir ein Organ entfernen zu lassen und erstmal andere Behandlungen ausprobieren.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

Schlagwörter: D25, Fortpflanzung und Geburt, Frauengesundheit, Gebärmutterentfernung, Hysterektomie, Myom, Z90