Einleitung

Daratumumab (Handelsname Darzalex) ist seit Mai 2016 zur Behandlung eines multiplen Myeloms zugelassen. Das Medikament kommt für zwei Personengruppen infrage:

  • für Erwachsene, die bereits mindestens eine Therapie erhalten haben. Für diese Personengruppe wird Daratumumab mit den Wirkstoffen Lenalidomid und Dexamethason oder Bortezomib und Dexamethason kombiniert.
  • für Erwachsene, bei denen das multiple Myelom erneut aufgetreten ist und sich nur schwer behandeln lässt. Daratumumab kommt bei diesen Personen infrage, wenn sie bereits mit einem Proteasom-Inhibitor und einem Immunmodulator behandelt wurden und die letzte Therapie nicht ausreichend wirkte.

Das multiple Myelom ist eine seltene Krebserkrankung, bei der sich krankhaft veränderte Plasmazellen des Immunsystems im Knochenmark unkontrolliert vermehren. Wenn die Erkrankung fortschreitet, wird der Knochen zerstört und die normale Blutbildung verhindert. Das kann zu Knochenschmerzen und -brüchen sowie zu einer Blutarmut (Anämie) führen. Ein multiples Myelom ist lebensbedrohlich.

Ein multiples Myelom wird anhand des sogenannten International Staging Systems (ISS) in verschiedene Stadien eingeteilt. Die Einteilung beruht hauptsächlich auf der Menge zweier Eiweißstoffe im Blut. Es gibt drei verschiedene Krankheitsgrade: gering (ISS 1), mittel (ISS 2) und schwer (ISS 3).

Daratumumab bindet an die Krebszellen und soll sie zerstören. Er soll außerdem das Immunsystem dazu bringen, die Krebszellen anzugreifen.

Anwendung

Daratumumab wird als Infusion in Zyklen von 4 Wochen gegeben. In den ersten beiden Zyklen erhalten die Patientinnen und Patienten einmal pro Woche eine Infusion. Ab dem dritten Zyklus wird der Wirkstoff alle zwei Wochen angewendet und ab dem siebten Zyklus alle vier Wochen. Bei einer Kombination von Daratumumab mit Bortezomib wird Daratumumab in Zyklen von 3 Wochen gegeben.

Die Dosis hängt vom Körpergewicht ab.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten, die bereits mindestens eine Therapie gegen das multiple Myelom erhalten haben, kommt als Standardtherapie der Wirkstoff Bortezomib infrage. Dieser wird mit pegyliertem, liposomalem Doxorubicin oder mit Dexamethason kombiniert. Auch Lenalidomid in Kombination mit Dexamethason oder Elotuzumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason kommen infrage.

Für Patientinnen und Patienten, bei denen das multiple Myelom erneut aufgetreten ist und sich nur schwer behandeln lässt, kommt als Standardtherapie eine optimierte individuelle Therapie infrage. Diese hängt unter anderem davon ab, welche Behandlungen bereits versucht wurden und wird durch die Ärztin oder den Arzt individuell angepasst.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2018 geprüft, welche Vor- und Nachteile Daratumumab für Personen mit multiplem Myelom im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Der Hersteller legte zwei geeignete Studien zur Auswertung vor. An beiden Studien nahmen nur Patientinnen und Patienten teil, die bereits mindestens eine Therapie gegen das multiple Myelom erhalten haben.

In der einen Studie wurde Daratumumab mit den Wirkstoffen Lenalidomid und Dexamethason kombiniert. Von den insgesamt 569 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhielten 286 Patientinnen und Patienten Daratumumab in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason und 283 Patientinnen und Patienten nur Lenalidomid und Dexamethason.

In der anderen Studie wurde Daratumumab mit den Wirkstoffen Bortezomib und Dexamethason kombiniert. Von den insgesamt 498 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erhielten 251 Patientinnen und Patienten Daratumumab in Kombination mit Bortezomib und Dexamethason und 247 Patientinnen und Patienten nur Bortezomib und Dexamethason.

Welche Vorteile hat Daratumumab?

  • Lebenserwartung: Die Studien zeigen, dass Daratumumab das Leben verlängern kann. Während einer mittleren Beobachtungszeit von etwa 12 bis 17 Monaten verstarben von den Patientinnen und Patienten, die zusätzlich Daratumumab erhielten etwa 15 von 100. Von den Patientinnen und Patienten, die kein Daratumumab erhielten, waren es in diesem Zeitraum etwa 20 bis 24 von 100.

Welche Nachteile hat Daratumumab?

  • Schwere Nebenwirkungen: Die Studien zeigen, dass mehr Patientinnen und Patienten schwere Nebenwirkungen haben, wenn sie zusätzlich Daratumumab erhalten: Bei einer Behandlung mit Daratumumab hatten etwa 79 bis 83 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen. Ohne Daratumumab waren es hingegen etwa 63 bis 75 von 100 Personen.
  • Nebenwirkungen:
    • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts: Die Studien weisen insgesamt auf einen Nachteil von Daratumumab hin: In den Studien hatten etwa 64 bis 78 von 100 Patientinnen und Patienten Magen-Darm-Erkrankungen infolge der Therapie, wenn sie Daratumumab enthielten. Ohne Daratumumab hatten etwa 47 bis 62 von 100 Patientinnen und Patienten damit zu tun.
    • Erkrankungen der Atemwege oder des Brustraums: Auch hier weisen die Studien insgesamt auf einen Nachteil von Daratumumab hin: In den Studien hatten etwa 56 bis 62 von 100 Patientinnen und Patienten Erkrankungen der Atemwege oder des Brustraums infolge der Therapie, wenn sie Daratumumab enthielten. Ohne Daratumumab hatten etwa 33 bis 42 von 100 Patientinnen und Patienten damit zu tun.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Gesundheitszustand und Krankheitsbeschwerden: Für den Gesundheitszustand und verschiedene Krankheitsbeschwerden wie Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen, Atemnot, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Verstopfung (Obstipation) und Durchfall (Diarrhö) zeigte sich kein Unterschied zwischen den Behandlungen.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Die Studien konnten insgesamt für Daratumumab keinen Unterschied zwischen den Behandlungen nachweisen.
  • Nebenwirkungen:
    • Febrile Neutropenie: Hier zeigte sich kein relevanter Unterschied zwischen den Behandlungen. Bei einer febrilen Neutropenie hat der Körper zu wenig Abwehrzellen und fiebert.
    • Periphere sensorische Neuropathie: Hier zeigte sich kein Unterschied zwischen den Behandlungen. Bei einer peripheren sensorischen Neuropathie sind außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegende Nervenbahnen geschädigt, sodass es zu Missempfindungen, Schmerzen, Lähmungserscheinungen oder Kreislaufbeschwerden kommen kann.
  • Abbruch wegen Nebenwirkungen: Hier zeigte sich ebenfalls kein Unterschied.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .