Einleitung

Das Arzneimittel Crizotinib (Handelsname Xalkori) ist in Deutschland zur Behandlung von Erwachsenen mit einem fortgeschrittenen nicht kleinzelligen Lungenkrebs zugelassen. Es kommt für zwei Patientengruppen infrage:

  • Patientinnen und Patienten, bei denen das Enzym Anaplastische-Lymphom-Kinase (ALK) im Tumorgewebe verändert ist. Man spricht dann von einem ALK-positiven nicht kleinzelligen Lungenkrebs.
  • Patientinnen und Patienten, bei denen das Enzym Protoonkogen-Tyrosinproteinkinase (ROS1) im Tumorgewebe verändert ist. Man spricht dann von einem ROS1-positiven nicht kleinzelligen Lungenkrebs.

Die veränderten Enzyme führen zu einem unkontrollierten Wachstum des Tumors. Crizotinib soll die im Tumorgewebe veränderten Enzyme und so auch das weitere Tumorwachstum hemmen.

Crizotinib ist seit Oktober 2012 für Personen mit einem ALK-positiven nicht kleinzelligen Lungenkrebs zugelassen, die bereits mit einer anderen Therapie vorbehandelt wurden. Als Ersttherapie gibt es den Wirkstoff seit November 2015. Zur Behandlung eines ROS1-positiven nicht kleinzelligen Lungenkrebs ist Crizotinib seit August 2016 zugelassen.

Lungenkrebs entsteht durch die bösartige Neubildung von Zellen der Bronchien und ihrer Aufzweigungen, den Bronchiolen. Deshalb spricht man auch von einem Bronchialkarzinom. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Tumorarten:

  • das kleinzellige Karzinom (englisch: small cell lung carcinoma, SCLC) und
  • das nicht kleinzellige Karzinom (englisch: non small cell lung carcinoma, NSCLC).

Ein nicht kleinzelliges Karzinom wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist es jedoch schon zu groß oder es hat sich bereits über das Blut- oder Lymphsystem auf andere Körperregionen ausgebreitet. In diesem Fall spricht man von einem fortgeschrittenen Lungenkrebs.

Anwendung

Crizotinib wird zweimal pro Tag als Kapsel eingenommen. Eine Tablette enthält 200 oder 250 mg Crizotinib. Die tägliche Dosis richtet sich nach der Verträglichkeit.

Andere Behandlungen

Für bislang unbehandelte Personen mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligem Lungenkrebs kann als erste Therapie eine Kombination aus Cisplatin oder Carboplatin mit einem Zytostatikum (Vinorelbin, Gemcitabin, Docetaxel, Paclitaxel oder Pemetrexed) infrage kommen. Auch eine Behandlung mit den Wirkstoffen Gemcitabin oder Vinorelbin kann eingesetzt werden.

Wurden die Personen bereits mit einer anderen Therapie vorbehandelt, kann eine erneute Chemotherapie mit den Wirkstoffen Docetaxel oder Pemetrexed infrage kommen. Wenn das nicht der Fall ist, kommt eine bestmögliche unterstützende Behandlung (BSC) infrage. Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2016 geprüft, ob Crizotinib für die beschriebenen Personengruppen im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.

Für folgende Gruppen lagen keine geeigneten Daten vor:

  • Personen mit ROS1-positivem nicht kleinzelligem Lungenkrebs,
  • Personen mit ALK-positivem nicht kleinzelligem Lungenkrebs, die bisher noch nicht behandelt wurden,
  • Personen mit ALK-positivem nicht kleinzelligem Lungenkrebs, die bereits behandelt wurden und für die keine erneute Chemotherapie infrage kommt.

Die Frage, welche Vor- oder Nachteile Crizotinib für diese Personengruppen im Vergleich zu den Standardtherapien hat, kann daher nicht beantwortet werden.

Für Personen mit ALK-positivem nicht kleinzelligem Lungenkrebs, die bereits behandelt wurden und bei denen eine erneute Chemotherapie infrage kommt, ließen sich aus einer Studie folgende Ergebnisse ableiten.

Welche Vorteile hat Crizotinib?

  • Schmerzen, Husten, Atemnot: Die Studie weist darauf hin, dass Crizotinib im Vergleich zu einer Chemotherapie mit Docetaxel oder Pemetrexed den Zeitpunkt hinauszögern kann, zu dem sich Schmerzen, Husten oder Atemnot verschlechtern: Bei Personen, die eine Chemotherapie erhielten, verschlechterten sich diese Beschwerden im Mittel nach anderthalb Monaten. Bei Personen, die Crizotinib einnahmen, dauerte es im Mittel etwa 4 Monate länger, bis Schmerzen, Husten oder Atemnot stärker wurden.
  • Lebensqualität: Im Vergleich zwischen Crizotinib und der Chemotherapie ergab sich insgesamt ein schwacher Hinweis darauf, dass Menschen, die Crizotinib einnahmen, eine bessere Lebensqualität hatten. 

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Im Vergleich zwischen Crizotinib und der Chemotherapie mit Docetaxel oder Pemetrexed zeigte sich kein Unterschied.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Nebenwirkungen: Bei fast allen Patientinnen und Patienten traten Nebenwirkungen auf, unabhängig davon, ob sie Crizotinib einnahmen oder eine Chemotherapie bekamen. Im Vergleich beider Behandlungen zeigte sich auch kein Unterschied in der Gesamtzahl der Nebenwirkungen und wie oft diese zum Abbruch der Behandlung führten. Sehstörungen und Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung traten bei der Behandlung mit Crizotinib häufiger auf als bei der Chemotherapie. Schwerwiegende Nebenwirkungen, die teilweise auch zum Tode führten, traten in beiden Behandlungsgruppen auf. Die vom Hersteller vorgelegten Daten reichen aber nicht aus, um hier einen aussagekräftigen Vergleich zu ziehen.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .