Einleitung

Cobimetinib (Handelsname Cotellic) ist seit November 2015 für Erwachsene mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom) zugelassen. Der Wirkstoff wird mit Vemurafenib kombiniert und kommt für Patientinnen und Patienten infrage, bei denen ein bestimmtes verändertes Protein zu unkontrolliertem Tumorwachstum führen kann.

Das Melanom ist der gefährlichste Typ von Hautkrebs. Es entsteht aus den dunklen Pigmentzellen und wird daher auch schwarzer Hautkrebs genannt. Wenn ein Melanom entdeckt wird, wird es operativ entfernt. Manchmal ist es dafür jedoch zu groß, oder es hat sich bereits über das Blut- oder Lymphsystem auf andere Körperregionen ausgebreitet und dort Absiedlungen (Metastasen) gebildet. In diesen Fällen spricht man von einem fortgeschrittenen Melanom.

Manche Menschen mit schwarzem Hautkrebs haben ein verändertes Protein im Tumorgewebe (BRAF-V600-Mutation), das zu unkontrolliertem Wachstum des Tumors führen kann. Vemurafenib soll dieses Protein hemmen, während Cobimetinib einen alternativen Weg der Signalübertragung blockiert und damit auch das Tumorwachstum

Anwendung

Cobimetinib wird einmal täglich als Tablette eingenommen, kombiniert mit Vemurafenib. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 60 mg Cobimetinib. Das entspricht drei Tabletten mit je 20 mg des Wirkstoffs.

Das Mittel wird in Behandlungszyklen von jeweils 28 Tagen Dauer eingesetzt: In den ersten 21 Tagen wird Cobimetinib täglich eingenommen. Danach folgt ein behandlungsfreies Intervall von sieben Tagen. Nach insgesamt 28 Tagen kann ein neuer Behandlungszyklus beginnen.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs kommt als Standardtherapie Vemurafenib infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, welche Vor- und Nachteile Cobimetinib in Kombination mit Vemurafenib im Vergleich zu Vemurafenib allein hat. Für den Vergleich legte der Hersteller eine Studie vor, an der Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs und BRAF-V600-Mutation teilnahmen, die zuvor nicht systemisch behandelt wurden. „Systemisch“ bedeutet: mit Behandlungen, die innerlich angewendet werden und auf den ganzen Körper wirken.

Welche Vorteile hat Cobimetinib?

  • Lebenserwartung: Die Studie weist darauf hin, dass eine Therapie mit Cobimetinib und Vemurafenib im Vergleich zu Vemurafenib allein das Leben verlängern kann: Die Hälfte der Personen, die nur Vemurafenib erhielten, war nach etwa 17 Monaten verstorben. Die Hälfte der Personen, die Cobimetinib und Vemurafenib erhielten, lebte noch mindestens 21 Monate.
  • Schmerzen: Hier gibt die Studie einen schwachen Hinweis, dass Tumorschmerzen mit der Cobimetinib-Vemurafenib-Therapie im Vergleich zu Vemurafenib allein entweder später auftreten oder sich langsamer verschlechtern.
  • Erschöpfung und Schlaflosigkeit: Hier zeigten sich schwache Hinweise auf einen Vorteil. Mit der Vemurafenib-Kombination traten Schlafstörungen und Erschöpfung später auf als mit Vemurafenib allein.
  • Haarausfall und Verhornung der Haut: Nicht nur der Tumor selbst kann Beschwerden auslösen, sondern auch dessen medikamentöse Therapie. Es gibt Hinweise, dass Cobimetinib plus Vemurafenib zu weniger dieser Nebenwirkungen führt als Vemurafenib allein.
  • Gut- und bösartige Neubildungen: Die Studie zeigte einen Hinweis, dass mit der Kombinations-Therapie Neubildungen seltener auftreten.
  • Gesundheitsstatus und körperliche Funktion: Hier ergab sich ein schwacher Hinweis auf einen Vorteil für Personen unter 65 Jahren, die die Cobimetinib-Vermurafenib-Kombination erhielten. Für Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren zeigte sich kein Unterschied.

Welche Nachteile hat Cobimetinib?

  • Durchfall, Übelkeit, Erbrechen: Für diese Nebenwirkungen der Therapie gibt es schwache Hinweise, dass sie bei einer Cobimetinib-Vemurafenib-Therapie häufiger vorkommen als bei Vemurafenib allein.
  • Netzhautablösung: Als Nebenwirkung einer Krebstherapie kann es zur Ablösung der Netzhaut kommen. Die Studie weist darauf hin, dass dies während einer Cobimetinib-Vemurafenib-Therapie häufiger vorkommt als unter Vemurafenib allein.
  • Lichtempfindlichkeit der Haut: Als Nebenwirkung einer Krebstherapie kann die Lichtempfindlichkeit der Haut zunehmen. Das bedeutet, sie kann sich bereits röten, jucken oder Bläschen bilden, wenn sie nur kurze Zeit der Sonne ausgesetzt war. Die Studie gibt einen schwachen Hinweis, dass eine Cobimetinib-Vemurafenib-Therapie bei Personen mit einem Tumor im Stadium M1c vermehrt zu Lichtempfindlichkeitsreaktionen führt. M1c bedeutet, dass der Tumor Fernmetastasen oder Metastasen in inneren Organen (außer der Lunge) gebildet hat.
    Bei Personen mit Tumoren, die sich regional in Lymphknoten (Stadium IIIc), tiefere Hautschichten, entfernte Lymphknoten (Stadium M1a) oder zu den Lungen (Stadium M1b) ausgebreitet haben, zeigte sich dagegen kein Unterschied zwischen beiden Behandlungen.
  • Schwere Nebenwirkungen: Die Studie gibt einen schwachen Hinweis, dass eine Cobimetinib-Vemurafenib-Therapie bei Personen mit einem Melanom des Stadiums M1a, M1b oder IIIc Nachteile bezüglich schwerer Nebenwirkungen hat.
    Bei Personen mit einem Melanom des Stadiums M1c zeigte sich kein Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Weitere krankheitsbedingte Beschwerden: Bei den Beschwerden Verstopfung, Appetitverlust und Atemnot gab es keinen Unterschied zwischen Cobimetinib plus Vemurafenib und Vemurafenib allein.
  • Allgemeiner Gesundheitszustand, emotionale, kognitive und soziale Funktion: Auch hier zeigte sich kein Unterschied zwischen beiden Behandlungen.
  • Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen: Hier gab es ebenfalls keinen Unterschied.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .