Einleitung

Das Arzneimittel Ceritinib (Handelsname Zykadia) ist seit Mai 2015 in Deutschland zur Behandlung einer bestimmten Form von fortgeschrittenem Lungenkrebs zugelassen. Es kommt für erwachsene Patientinnen und Patienten infrage, bei denen eine bestimmte Veränderung der Krebszellen zu einem beschleunigten Tumorwachstum führen kann und die nach einer Chemotherapie bereits mit dem Wirkstoff Crizotinib vorbehandelt wurden. Seit März 2017 kommt der Wirkstoff auch für nicht vorbehandelte Personen infrage, für die eine Operation, Strahlentherapie oder Radiochemotherapie keine geeigneten Behandlungsoptionen sind.

Lungenkrebs entsteht durch die bösartige Neubildung von Zellen der Atemwege (Bronchien) und ihrer Aufzweigungen, den Bronchiolen. Deshalb spricht man auch von einem Bronchialkarzinom. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Tumorarten:

  • das kleinzellige Karzinom (englisch: small cell lung carcinoma, SCLC) und
  • das nicht kleinzellige Karzinom (englisch: non small cell lung carcinoma, NSCLC).

Ein nicht kleinzelliges Karzinom wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist es jedoch schon zu groß oder es hat bereits über das Blut- oder Lymphsystem Absiedlungen (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Lungenkrebs.

Manche Menschen mit einem nicht kleinzelligen Lungenkrebs haben ein verändertes Enzym im Tumorgewebe, die sogenannte Anaplastische-Lymphom-Kinase (ALK). Man spricht dann von einem ALK-positiven nicht kleinzelligen Lungenkrebs. Das Enzym ALK kann zum unkontrollierten Wachstum des Tumorgewebes beitragen.

Ceritinib soll unter anderem das Enyzm ALK und so auch das weitere Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Ceritinib wird einmal pro Tag immer zur gleichen Uhrzeit als Kapsel eingenommen. Eine Kapsel enthält 150 mg. Die tägliche Dosis richtet sich nach der Verträglichkeit: Die Mindestdosierung für den Wirkstoff beträgt 300 mg und die Höchstdosis 750 mg täglich. Bei zu starken Nebenwirkungen wird die Therapie beendet.

Andere Behandlungen

Bei Ersttherapie für Personen mit fortgeschrittenem ALK-positivem nicht kleinzelligem Lungenkrebs, für die weder eine Operation noch Radiochemotherapie infrage kommt, wird als Standardtherapie der Wirkstoff Crizotinib eingesetzt.

Abhängig vom Allgemeinzustand kommen für Personen, die bereits mit einer Chemotherapie und Crizotinib behandelt wurden, verschiedene Behandlungsmöglichkeiten infrage: entweder eine erneute Chemotherapie mit den Wirkstoffen Docetaxel oder Pemetrexed oder eine bestmögliche unterstützende Behandlung („Best Supportive Care“ oder BSC). Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2017 geprüft, ob Ceritinib für die beschriebenen Personengruppen im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.

Für folgende Gruppen lagen keine geeigneten Daten vor:

  • Personen mit ALK-positivem nicht kleinzelligem Lungenkrebs, die bisher noch nicht behandelt wurden,
  • Personen mit ALK-positivem nicht kleinzelligem Lungenkrebs, die bereits mit einer Chemotherapie und Crizotinib behandelt wurden und für die keine erneute Chemotherapie infrage kommt.

Die Frage, welche Vor- oder Nachteile Ceritinib für diese Personengruppen im Vergleich zu den Standardtherapien hat, kann daher nicht beantwortet werden.

Für Personen mit ALK-positivem nicht kleinzelligem Lungenkrebs, die bereits mit Crizotinib behandelt wurden und bei denen eine erneute Chemotherapie infrage kommt, legte der Hersteller eine Studie vor. In der Studie bekamen 116 Personen eine Chemotherapie mit Docetaxel oder Pemetrexed, die andere Gruppe mit 115 Personen wurde mit Ceritinib behandelt. Die untersuchten Personen hatten vorher bereits mindestens zwei Therapien erhalten. In der Studie gab es folgende Ergebnisse:.

Welche Vorteile hat Ceritinib?

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Die Studie zeigt schwache Hinweise, dass mit Ceritinib behandelte Patientinnen und Patienten ihre körperliche und soziale Funktion sowie ihre Rollenfunktion als besser einschätzen als mit Chemotherapie behandelte Personen. Für andere Aspekte der Lebensqualität wie die emotionale oder kognitive Funktion, sowie den allgemeinen Gesundheitsstatus, konnte kein Unterschied nachgewiesen werden.
  • Krankheitsbeschwerden: Eine Krebserkrankung und deren Behandlung können mit einer Vielzahl von Beschwerden einhergehen. Bei Patientinnen und Patienten mit Ceritinib traten Haarausfall, Husten oder Erkrankungen der Nerven später auf als bei Personen mit der Chemotherapie. Das gilt auch für Schmerzen wie Schulter- / Armschmerzen und Schmerzen der Mundschleimhaut. Bei Brustschmerzen zeigte sich dieser Unterschied nicht.
  • Schwere Nebenwirkungen: Bei schweren Erkrankungen des Blutes und Lymphsystems, der Muskulatur, Knochen und des Bindegewebes gibt es einen schwachen Hinweis, dass Ceritinib später zu diesen schweren Nebenwirkungen führt als die Chemotherapie. Bei den folgenden Nebenwirkungen gibt die Studie ebenfalls schwache Hinweise auf einen Vorteil von Ceritinib:
    • Beschwerden bei der Medikamenteneinnahme
    • psychiatrische Erkrankungen
    • Erkrankungen des Nervensystems, der Atemwege und des Brustraums

Welche Nachteile hat Ceritinib?

  • Magen-Darm-Erkrankungen: Die Studie liefert hier einen schwachen Hinweis auf einen Nachteil von Ceritinib. Beschwerden wir Übelkeit, Erbrechen und Durchfall traten bei der Behandlung mit Ceritinib eher auf als bei der Therapie mit Docetaxel oder Pemetrexed. Beispielsweise verschlechterten sich Übelkeit und Erbrechen bei der Hälfte der Personen, die Ceritinib erhielten nach etwa einem Monat, bei Personen mit der Standardtherapie nach etwa sechs Monaten.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Es konnte kein Unterschied nachgewiesen werden. In beiden Gruppen war die Hälfte der Patientinnen und Patienten nach etwa 18 bis 20 Monaten verstorben.
  • Bei folgenden Krankheitsbeschwerden konnte kein Unterschied zwischen den Therapien nachgewiesen werden:
    • Atemnot
    • Erschöpfung
    • Schlaflosigkeit
    • Bluthusten
    • Verstopfung
    • Schluckstörung
    • Appetitverlust
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Bei den Therapieabbrüchen konnte ebenfalls kein Unterschied nachgewiesen werden.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den  ().