Einleitung

Belatacept (Handelsname Nulojix) ist seit Juni 2011 in Deutschland für erwachsene Patientinnen und Patienten nach einer Nierentransplantation zugelassen. Zusammen mit anderen Medikamenten soll es einer Abstoßungsreaktion des Körpers auf das Spenderorgan vorbeugen.

Menschen, die eine neue Niere von einem Spender erhalten haben, müssen nach der Transplantation dauerhaft Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken. Die Mittel sollen unter anderem davor schützen, dass ihr Körper das Spenderorgan wieder abstößt. Denn ein funktionierendes Immunsystem würde das neue Organ bekämpfen wie einen Fremdkörper.

Anwendung

Belatacept wird als Infusion in die Blutbahn (intravenös) gegeben. Die Anwendung dauert 30 Minuten und beginnt bereits am Tag der Transplantation. Danach wird Belatacept an Tag 5, 14 und 28 verabreicht. Ab dem zweiten Monat nach der Transplantation ist die Anwendung alle vier Wochen nötig. Belatacept wird in Kombination mit Kortikosteroiden und einer Mycophenolsäure (Antibiotikum) angewendet.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten nach einer Nierentransplantation kommt als Standardtherapie Ciclosporin A, ebenfalls kombiniert mit zwei weiteren Wirkstoffen (Kortikosteroide und eine Mycophenolsäure), infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2015 geprüft, wie Belatacept im Vergleich zu Ciclosporin A abschneidet. Zum Vergleich der beiden Wirkstoffe zog das IQWiG zwei geeignete Studien heran. Insgesamt wurden die Ergebnisse von etwa 800 Personen ausgewertet. Die Patientinnen und Patienten wurden nach der Transplantation bis zu sieben Jahre beobachtet. Etwa die Hälfte hatte eine Kombination mit einer Belatacept-Infusion erhalten, die andere Hälfte mit Ciclosporin A-Tabletten.

Beide Studien unterschieden sich in den Kriterien, nach denen die Spenderorgane für die Transplantation ausgewählt worden waren: Bei der ersten Studie stammten die Nieren von nach Standardkriterien ausgewählten Spendern (Standard Criteria Donors, SCD). Etwa die Hälfte der Organe stammten von Lebendspendern, die andere Hälfte von verstorbenen Spendern (zum Beispiel nach Unfalltod).

Bei der zweiten Studie wurden die Spender nach sogenannten erweiterten Kriterien ausgewählt (Extended Criteria Donors, ECD): Es wurden nur Organe verstorbener Spender transplantiert, die zum Beispiel auch von älteren Spenderinnen und Spendern über 60 Jahre stammen konnten.

Welche Vorteile hat Belatacept?

Tod oder Transplantatabstoßung:

Hier zeigten sich bei der gemeinsamen Betrachtung beider Ereignisse Unterschiede zwischen den Patientinnen und Patienten, die ein Organ eines SCD-Spenders erhalten hatten und denen mit einem Organ eines ECD-Spenders.

Bei Patientinnen und Patienten mit einem Organ eines SCD-Spenders zeigten sich bei Anwendung von Belatacept schwache Hinweise auf einen Vorteil: Wurden sie mit Belatacept behandelt, kam es bei etwa 13 von 100 innerhalb von etwa 7 Jahren zu einer Transplantatabstoßung oder sie verstarben. Bei einer Behandlung mit Ciclosporin A war das bei etwa 22 von 100 Personen der Fall.

Für Patientinnen und Patienten mit einem Organ eines ECD-Spenders zeigte sich kein Vorteil von Belatacept gegenüber Ciclosporin A.

Nierenschwäche aufgrund einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung:

Es gab Hinweise, dass unabhängig von den Spenderkriterien bei den Personen, die mit Belatacept behandelt wurden, weniger Nierenschwächen auftraten als bei den Patientinnen und Patienten, die Ciclosporin A einnahmen.

Schwere Nebenwirkungen:

Hier ergab sich im Vergleich ein schwacher Hinweis auf einen Vorteil für die Patientinnen und Patienten mit SCD-Transplantat, die mit Belatacept behandelt wurden: Bei ihnen trat in einem Zeitraum von sieben Jahren bei 71 von 100 Personen eine schwere Nebenwirkung auf. In der Vergleichsgruppe mit Ciclosporin A war dies bei 80 von 100 Patientinnen und Patienten der Fall. Betrachtet man nur die Ergebnisse der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer aus Europa, war der Vorteil größer: Von den Teilnehmenden, die Belatacept erhielten, hatten im genannten Zeitraum 75 von 100 eine schwere Nebenwirkung. Bei den Personen, die mit Ciclosporin A behandelt wurden, waren es 93 von 100.

Für die andere untersuchte Gruppe mit einem Organ eines ECD-Spenders zeigte sich diesbezüglich kein Vorteil von Belatacept gegenüber Ciclosporin A.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: In den Vergleichsstudien konnten zwischen den beiden Behandlungsgruppen keine Unterschiede in der Erkrankungshäufigkeit gezeigt werden.
  • Folgeerkrankungen: Das IQWiG hatte nach Unterschieden im Auftreten von Erkrankungen gesucht, die nach einer Transplantation auftreten können wie Diabetes mellitus, Infektionen oder Tumorerkrankungen. Solche Folgeerkrankungen können beispielsweise durch die medikamentöse Schwächung der Immunabwehr entstehen. Es konnten jedoch keine Unterschiede zwischen Belatacept und Ciclosporin A gezeigt werden.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: In den ersten drei Jahren nach der Transplantation zeigten sich keine Unterschiede, zu längeren Zeiträumen legte der Hersteller keine verwertbaren Daten vor. Wie sich Belatacept im Vergleich zu Ciclosporin A langfristig auf die Lebensqualität auswirkt, kann daher nicht beantwortet werden.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Auch zu den Therapieabbrüchen wegen Nebenwirkungen legte der Hersteller keine verwertbaren Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Belatacept (Nulojix).