Behandlungsmöglichkeiten bei Endometriose

Foto von zwei Frauen mit Fahrrad (PantherMedia / Eugenio Marongiu) Bislang gibt es noch keine Therapie, mit der Endometriose geheilt werden kann. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Welche Behandlung infrage kommt, hängt vor allem davon ab, ob eine Frau einen Kinderwunsch hat.

Was eine Frau gegen ihre Endometriose tun kann, hängt sehr von ihrer persönlichen Situation ab. Wenn Beschwerden wie Schmerzen und Krämpfe im Vordergrund stehen, kommen zur Linderung viele verschiedene Behandlungen infrage – dazu gehören Schmerzmittel, Hormone oder eine Operation. Wenn eine Frau schwanger werden möchte, eignen sich hormonelle Mittel allerdings nicht.

Keine Therapie kann eine Heilung garantieren. Viele Frauen brauchen Zeit, bis sie eine Behandlung finden, die ihre Beschwerden gut genug lindert und mit deren Nebenwirkungen sie zurechtkommt.

Behandlung mit Medikamenten

Die Behandlung mit Medikamenten zielt in erster Linie darauf ab, starke Schmerzen oder Krämpfe im Zusammenhang mit der Regelblutung zu lindern oder zu beseitigen. Dazu bieten sich Schmerzmittel und hormonelle Wirkstoffe an, die den Eisprung unterdrücken (Ovulationshemmer). Bei wiederkehrenden, aber nicht extrem belastenden Unterbauchbeschwerden können Schmerzmittel oder hormonelle Verhütungsmittel wie die „Pille“ eine spürbare Linderung bewirken. Diese Präparate sind oft recht gut verträglich und eignen sich daher meist auch für junge Frauen mit Endometriose. Wenn sie nicht genug Erleichterung bringen, kommen auch stärkere Medikamente infrage.

Schmerzmittel

Zur Behandlung von Regelbeschwerden, aber auch bei Endometriose, werden häufig Schmerzmittel aus der Gruppe der sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Hierzu gehören zum Beispiel die Wirkstoffe Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure (ASS). Einige dieser Medikamente sind frei verkäuflich, andere vor allem in höheren Dosierungen verschreibungspflichtig.

NSAR können starke Regelschmerzen wirksam lindern und sind meist gut verträglich. Ob sie auch bei Schmerzen helfen, die durch Endometriose verursacht werden, ist bislang allerdings kaum untersucht. Diese Medikamente können Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden, Übelkeit und Kopfschmerzen haben. ASS hemmt zudem die Blutgerinnung. Ohne ärztliche Beratung dürfen Schmerzmittel daher nicht häufig oder über längere Zeit eingenommen werden.

Zur Behandlung starker Schmerzen werden manchmal auch sogenannte Opioide angewendet. Diese Mittel ahmen die Wirkung körpereigener schmerzhemmender Stoffe nach und beeinflussen die Schmerzempfindung im Gehirn. Opioide dürfen nur nach ärztlicher Verordnung eingesetzt werden. Vor allem bei den stärker wirksamen Opioiden besteht bei längerer Anwendung das Risiko einer Abhängigkeit. Als Nebenwirkungen können zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Müdigkeit, Schwindel und Blutdruckschwankungen auftreten. Auch zur Wirkung dieser Schmerzmittel bei Endometriose liegen bislang keine verlässlichen Daten vor.

Hormonelle Behandlungen

Hormonelle Wirkstoffe unterdrücken die körpereigene Hormonproduktion in den Eierstöcken und damit auch den Eisprung und die Monatsblutung. Sie sind für Frauen, die schwanger werden möchten, nicht geeignet. Bei Endometriose eingesetzte hormonelle Mittel sind:

Hormonelle Behandlungen können die Endometriose-Herde ruhigstellen und dadurch die Schmerzen lindern. Inwieweit sie auch zu einer Rückbildung oder zum gänzlichen Verschwinden der Endometriose führen können, ist unklar. Häufig tritt die Endometriose wieder auf, wenn die Behandlung beendet wird. Zur hormonellen Langzeitbehandlung eignen sich Verhütungsmittel wie Pille, Verhütungspflaster oder Hormonimplantat sowie Gestagen-Präparate.

Die Antibabypille

Die meisten Pillen-Präparate können Endometriose-bedingte Schmerzen nachweislich lindern. Bei starken Regelschmerzen (Dysmenorrhoe) kann aber auch die sogenannte Entzugsblutung – die Blutung nach dem Ende eines Pillen-Einnahmezyklus – noch schmerzhaft sein. Zu den wichtigsten Nebenwirkungen der Pille zählen Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen und Spannungsgefühle in der Brust.

Mit bestimmten Pillenpräparaten lassen sich Hormonzyklus und Regelblutung auch längerfristig unterdrücken. Dazu werden sie durchgehend eingenommen, das heißt ohne oder mit selteneren Einnahmepausen. Eine durchgehende Einnahme wird „Langzyklus“ genannt. Da diese Art der Anwendung in Deutschland nicht zugelassen ist, handelt es sich um einen „nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch“ (Off-Label-Use). Das kann bedeuten, dass die Krankenkassen die Kosten nicht erstatten.

GnRH-Analoga

Auch hormonelle Mittel aus der Wirkstoffgruppe der GnRH-Analoga können Endometriose-Beschwerden lindern. Allerdings haben sie stärkere Nebenwirkungen als die Pille: Sie senken die Produktion der weiblichen Hormone so stark ab, dass Östrogenmangel-Symptome eine häufige Folge sind. Dies sind Beschwerden, wie sie in den Wechseljahren auftreten können: Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Scheide und Stimmungsschwankungen.

Bei einer Langzeitanwendung können GnRH-Analoga auch die Knochendichte verringern. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Knochendichte innerhalb von zwei Jahren nach dem Ende der Behandlung wieder normalisiert. Bei einer Behandlung über mehr als sechs Monate kann gleichzeitig eine Hormontherapie mit niedrig dosiertem Östrogen begonnen werden. Das soll die Beschwerden durch den Hormonmangel abschwächen.

Gestagene und LNG-Spirale

Präparate mit dem Hormon Gestagen wirken bei Endometriose ebenfalls schmerzlindernd. Gestagene können Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen, Gewichtszunahme, Stimmungsbeeinträchtigungen und vermindertes sexuelles Verlangen haben.

Der Einsatz einer Gestagen-haltigen Spirale (LNG-Spirale) in die Gebärmutter ist bei Endometriose bisher nur als Ergänzung einer vorangegangenen Operation untersucht. In Kombination mit der Operation kann sie die Beschwerden besser lindern als eine Operation allein. Die LNG-Spirale wird auch als Verhütungsmittel eingesetzt; aus dieser Anwendung sind mögliche Nebenwirkungen wie Zwischenblutungen, Unterbauchbeschwerden, Akne und Brustspannen bekannt.

Danazol, ein dem männlichen Hormon Testosteron ähnlicher Wirkstoff, ist in Deutschland wegen seiner starken Nebenwirkungen nicht mehr erhältlich.

Operation

Eine Endometriose lässt sich in der Regel mit einem vergleichsweise schonenden Eingriff behandeln, der Bauchspiegelung oder Laparoskopie. Es kann aber auch mit einem herkömmlichen Bauchschnitt (Laparotomie) operiert werden. Bei beiden Methoden werden die Endometriose-Herde unter Vollnarkose durch Laser oder „elektrische Diathermie“ entfernt: beim Laserverfahren durch die Hitze der Laserstrahlen, bei der Diathermie durch die Hitze einer elektrisch aufgeheizten Sonde. Ob ein Verfahren besser ist als das andere, ist unklar.

Nach heutigem Stand des Wissens kann eine chirurgische Entfernung von Endometriose-Herden und -Zysten im Eierstock (Endometriomen) die Schmerzen bei leichter bis mittelschwerer Endometriose lindern. Es gibt Hinweise, dass eine Entfernung von Endometriose-Herden durch eine Bauchspiegelung auch die Fruchtbarkeit etwas verbessern kann.

Allerdings bilden sich bei etwa 20 von 100 operierten Frauen innerhalb von fünf Jahren nach der Operation erneut Endometriose-Herde. Sie können auch wieder Beschwerden auslösen. Bei etwa einer von 100 Frauen kommt es zu Organverletzungen oder anderen Komplikationen wie Infektionen und schweren Blutungen.

Eine schwere, auch auf den Darm und / oder die Blase ausgedehnte Endometriose ist selten. Die Frage, welche Operationsmethode hier am besten helfen kann, ist bisher nicht ausreichend untersucht und lässt sich daher noch nicht sicher beantworten.

Bei Frauen mit stark belastenden Beschwerden kommen manchmal Verfahren wie die „laparoskopische-uterine-Nerven-Ablation“ (LUNA) zum Einsatz. Dabei werden während einer Bauchspiegelung schmerzleitende Nervenfasern im Bereich der Gebärmutter durchtrennt. Aktuelle Studien sprechen aber dagegen, dass dieses Verfahren zum Beispiel Regelschmerzen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lindert.

Medikamentöse Behandlung vor und nach einer Bauchspiegelung

Manchmal werden Medikamente im Vorfeld und / oder zur Nachbehandlung einer Bauchspiegelung eingesetzt, um Endometriose-Herde zu verkleinern, möglicherweise nicht entferntes Restgewebe ruhigzustellen und Neubildungen vorzubeugen. Bisherige Studien zeigen aber keine Vorteile gegenüber einer Bauchspiegelung ohne zusätzliche Medikamente: Es traten nicht weniger Schmerzen auf und auch die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, besserte sich nicht. In einigen Studien traten aber mehr Nebenwirkungen auf, wenn Frauen zusätzlich Medikamente nahmen.

Entfernung der Gebärmutter und der Eierstöcke

Wenn Endometriose-Herde im Bereich der Gebärmutter liegen, erwägen manche Frauen mit sehr starken Beschwerden eine Operation zur Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie). Dabei können auch an die Gebärmutter angrenzende Herde entfernt werden.

Eine Gebärmutterentfernung erwägen Frauen meist nur, wenn die Endometriose eine sehr starke Einschränkung ihres Lebens bedeutet, andere Behandlungen nicht erfolgreich waren und sie sicher sind, dass sie kein Kind mehr bekommen möchten. Das Alter einer Frau spielt bei der Entscheidung für oder gegen eine Entfernung der Gebärmutter eine wichtige Rolle. Sinnvoll ist eine Operation zudem nur, wenn die Untersuchungsergebnisse tatsächlich eine Besserung der Beschwerden erwarten lassen.

Eine Entfernung der Gebärmutter allein gibt keine Garantie, dass die Endometriose danach geheilt ist. Wenn nicht auch die Eileiter und die Eierstöcke entfernt werden, können die Beschwerden bestehen bleiben. Das ist eine weitere schwere Entscheidung: Die Entfernung beider Eierstöcke führt dazu, dass die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone gestoppt wird und die Wechseljahre abrupt einsetzen. Die Wechseljahre beginnen normalerweise zwischen 40 und 50 Jahren; im Durchschnitt haben Frauen mit 51 Jahren ihre letzte Regelblutung.

Üblicherweise werden bei einer Entfernung der Gebärmutter die Eierstöcke belassen, um die Bildung der Hormone zu erhalten.

Die zusätzliche Entfernung der Eierstöcke entzieht auch den übrigen Endometriose-Herden die Hormone, die sie zum Wachstum benötigen. Manche Frauen haben nach dieser Operation durch den Wegfall der Hormone aber so starke allgemeine Beschwerden, dass sie eine Hormonbehandlung mit Östrogen wünschen. Dann kann es sein, dass die Hormonpräparate erneut Endometriose-Beschwerden auslösen.

Wie bei jedem Eingriff mit Narkose kann es auch bei einer Endometriose-Operation zu Komplikationen wie zum Beispiel Verletzungen von Organen, Blutungen oder Infektionen kommen.

Was Studien sagen

Andere Methoden der Schmerzbehandlung

Weil keine Behandlung der Endometriose zuverlässig wirkt und ohne Nachteile ist, probieren viele Frauen verschiedene Präparate und Methoden aus – auch solche, die angeblich gegen Regelschmerzen helfen sollen. Für die unten beschriebenen Methoden aus der oft auch als „alternativ“ oder „komplementär“ (ergänzend) bezeichneten Medizin sowie für Entspannungsverfahren gibt es aber keine verlässlichen Nachweise, dass sie Beschwerden einer Endometriose lindern können. Manche können auch Nebenwirkungen haben, wie bestimmte pflanzliche Mittel.

Viele dieser Methoden kosten Zeit und müssen selbst bezahlt werden. Andere sind einfach eine Möglichkeit, zu entspannen und sich etwas Gutes zu tun. Zu den Angeboten ohne verlässlichen Nachweis eines Nutzens bei Endometriose-Beschwerden gehören:

  • pflanzliche Mittel, Akupunktur oder Homöopathie.
  • „transkutane elektrische Nervenstimulation“ (TENS): Diese Methode soll mit schwachen Stromstößen das Schmerzempfinden beeinflussen.
  • allgemeine Methoden zur Entspannung oder Bewegungsübungen wie Yoga oder Tai-Chi.
  • Verfahren wie chiropraktische Behandlungen, Entspannungstechniken und psychologisches Schmerzbewältigungstraining.
  • Änderungen im Lebensstil, wie mehr Bewegung, Stressreduktion oder eine Umstellung der Ernährung.

Durch Hausmittel wie Wärmeanwendungen, zum Beispiel als Wärmflasche, Wärmepackung oder warmes Wannenbad, empfinden manche Frauen eine spürbare Linderung akuter Beschwerden. Bei ihnen wirkt Wärme entspannend, beruhigend und krampflösend.

Möglichkeiten für Frauen mit Kinderwunsch

Als „ungewollt kinderlos“ gilt eine Frau mit Kinderwunsch, wenn sie nach einem Jahr mit regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht schwanger geworden ist. Dies kann viele verschiedene Gründe haben. Endometriose-Herde, die die Funktion der Eierstöcke und Eileiter beeinträchtigen, sind nur einer davon.

Wenn eine Frau mit Endometriose schwanger werden möchte, scheiden Hormontherapien als Möglichkeit zur Behandlung aus, weil sie entweder als Verhütungsmittel wirken oder die Chance auf eine Empfängnis stark verringern.

Für Frauen mit Kinderwunsch kommt daher neben einer Behandlung mit Schmerzmitteln eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) infrage, bei der die Endometriose-Herde so vollständig wie möglich entfernt werden. Studien deuten an, dass eine Bauchspiegelung zur Entfernung der sichtbaren Herde und Zysten bei Frauen mit ausgeprägter Endometriose die Chance auf eine spontane Schwangerschaft erhöhen kann. Auch für die chirurgische Entfernung von Endometriose-Herden an den Eierstöcken gibt es Hinweise, dass sie die Wahrscheinlichkeit erhöht, schwanger zu werden.

Bei einer schwächer ausgeprägten Endometriose, bei der die Eierstöcke oder Eileiter nicht betroffen sind, ist nicht sicher, ob die Herde überhaupt die Fruchtbarkeit verringern. Daher ist auch nicht sicher, ob eine Operation in diesem Fall helfen kann.

Unfruchtbarkeit kann mit Medikamenten behandelt werden, die die Eireifung und den Eisprung unterstützen oder das Gelbkörperhormon beeinflussen. Bei dieser Art der Hormonbehandlung wird die Funktion der Eierstöcke angeregt.

Bleibt eine solche Hormonbehandlung erfolglos, kann eine künstliche Befruchtung („In-vitro-Fertilisation“, IVF) infrage kommen. Bei diesem Verfahren werden der Frau Eizellen entnommen, die aufbereitet und in einem Labor mit Samen des Mannes zusammengeführt werden. Die befruchteten Eizellen werden später in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung sind bei Frauen mit ausgeprägter Endometriose etwas geringer als bei Frauen ohne Endometriose.

Im Zweifel kann eine zweite ärztliche Meinung helfen

Wer sich trotz ärztlicher Beratung und vielleicht Empfehlung einer bestimmten Behandlung unsicher ist, welche Therapie geeignet ist, kann eine zweite ärztliche Meinung einholen. Dies kann besonders sinnvoll sein, wenn eine Entfernung der Gebärmutter empfohlen wird. Welche Behandlung sich am besten eignet, hängt neben der medizinischen Begründung auch sehr von der persönlichen Situation und den eigenen Wünschen ab. Zur Unterstützung kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst und gegenüberstellt.

Schlagwörter: Drüsen und Hormone, Endometriose, Fortpflanzung und Geburt, Frauengesundheit, N80, N97, R10