Behandlung einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung

Foto von Frau mit Nebenhöhlenentzündung (Pixland / Pixland / Thinkstock) Eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) kann belastend sein und die Lebensqualität einschränken. Es gibt jedoch Mittel, die nachweislich helfen, die Beschwerden zu lindern. Hilfreich sind vor allem kortisonhaltige Nasensprays. Manchmal kommt auch eine Operation infrage.

Ein kurzer Schnupfen ist für die meisten Menschen normal und meist wenig belastend. Unangenehm ist es aber, wenn man auf Dauer nicht mehr richtig durch die Nase atmen kann und Schmerzen hat oder ein Druckgefühl im Gesicht spürt. Hinter solchen Beschwerden steckt oft eine dauerhafte Nasennebenhöhlenentzündung (chronische Sinusitis).

Bei der beidseitigen chronischen Nebenhöhlenentzündung werden hauptsächlich zwei Formen unterschieden:

  • Die chronische Nebenhöhlenentzündung ohne Polypen (gutartige Schleimhautausstülpungen): Bei dieser Form ist die Schleimhaut geschwollen, es haben sich aber keine Polypen gebildet.
  • Die chronische Nebenhöhlenentzündung mit Polypen: Bei dieser Form ist die Schleimhaut geschwollen und es haben sich Polypen gebildet.

In diesem Text geht es um diese beiden Hauptformen. Seltener sind Sonderformen einer chronischen Nebenhöhlenentzündung, etwa als Begleiterscheinung einer Immunschwäche oder aufgrund von Pilzinfektionen. Sie erfordern teilweise besondere Behandlungen.

Welche medikamentösen Behandlungen gibt es?

Kortison

Kortisonhaltige Nasensprays lassen die Schleimhäute in den Nebenhöhlen abschwellen und lindern so die Beschwerden. Falls Polypen vorhanden sind, können sie durch eine Behandlung mit kortisonhaltigem Nasenspray kleiner werden. Die volle Wirkung von Kortisonsprays setzt meist erst nach einigen Tagen ein. Um die Beschwerden dauerhaft zu lindern, ist es oft nötig, die Mittel über Monate oder sogar länger als ein Jahr anzuwenden. Es gibt verschiedene Kortisonsprays, die den bisherigen Studien zufolge alle ähnlich gut wirken.

Manche Menschen haben Bedenken, kortisonhaltige Medikamente anzuwenden. Tatsächlich kann Kortison – in höherer Dosis und über eine längere Zeit eingesetzt – Nebenwirkungen haben. Vor allem kann es die Nasenschleimhaut reizen oder austrocknen. Manchmal treten auch vorübergehend Kopfschmerzen auf. Insbesondere bei höherer Dosierung kann es zu Nasenbluten kommen. Meist sind die Nebenwirkungen jedoch nicht sehr stark.

Kortisonhaltige Nasensprays haben deutlich weniger Nebenwirkungen als Mittel, die als Tabletten eingenommen oder als Infusion verabreicht werden. Denn in Tablettenform oder als Infusionslösung gelangt der Wirkstoff in den gesamten Körper. Dagegen wirken örtlich angewendete Mittel wie Nasensprays oder Hautsalben überwiegend nur dort, wo sie eingesetzt werden.

Kortisontabletten sind zwar ebenfalls wirksam, wegen ihrer Nebenwirkungen aber nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Sie sollten höchstens drei Wochen lang eingenommen werden.

Antibiotika

Es gibt nur wenige Studien, die untersucht haben, wie nützlich Antibiotika bei einer chronischen Nebenhöhlenentzündung sind. Diese konnten aber nicht klären, wie gut sie wirklich helfen. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien – eine Sinusitis wird aber meist von Viren und nicht von Bakterien ausgelöst. Zudem wird die Entzündung bei einer chronischen Sinusitis oft noch durch andere Umstände wie etwa eine Allergie begünstigt.

Bei einer schweren bakteriellen Nebenhöhlenentzündung dagegen können, wenn auch selten, Komplikationen auftreten. Dann ist die schnelle Anwendung von Antibiotika unerlässlich und kann vor ernsten Folgen wie beispielsweise einer Gehirnhautentzündung schützen.

Abschwellende Nasentropfen

Abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays (Dekongestiva) sollen die Schleimhaut beruhigen und zum Abschwellen bringen. Dadurch verbessert sich kurzfristig auch die Nasenatmung – was helfen kann, nachts besser zu schlafen. Allerdings können solche abschwellenden Wirkstoffe schnell auch einen gegenteiligen Effekt auslösen: Nach wenigen Stunden schwillt die Schleimhaut der Nase wieder an. Dieser Effekt wird umso stärker, je häufiger man die Mittel einsetzt. Deshalb ist es nicht sinnvoll, abschwellende Nasensprays länger als ein paar Tage durchgehend anzuwenden.

Nasenspülungen und Inhalationen

Zusätzlich zu Medikamenten kann man Kochsalzlösungen anwenden, um die Schwellung der Schleimhaut zu mildern und das Sekret zu lösen. Salzlösungen gibt es als fertig zubereitete Nasensprays. Um die Beschwerden zu lindern, kann man die Nase auch mit Salzwasser spülen. Eine andere Möglichkeit ist, Wasser zu erhitzen und den Dampf zu inhalieren. Manche Menschen geben noch zum Beispiel Kamille oder Pfefferminze dazu. Die Wirksamkeit von Kochsalzlösungen und Inhalationen sind aber noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht.

Schmerzmittel

Bestimmte Medikamente verkürzen zwar nicht die Krankheitsdauer, können aber die Schmerzen lindern. Dazu gehören etwa schmerzstillende und entzündungshemmende Stoffe wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS). Allerdings haben manche Menschen eine Unverträglichkeit gegenüber ASS. Der Wirkstoff kann bei ihnen eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung begünstigen und auch Asthma-Anfälle auslösen. Für sie sind Schmerzmittel wie Paracetamol geeigneter.

Andere Behandlungsformen

Es werden noch andere, sehr verschiedene Mittel und Behandlungen angeboten. Dazu zählen neben weiteren Medikamenten auch pflanzliche Mittel, Akupunktur, Infrarotlicht oder Zink-Präparate. Wissenschaftliche Belege, dass diese Behandlungen bei einer chronischen Sinusitis helfen, gibt es jedoch nicht.

Kann eine Operation helfen?

Besonders wenn die chronischen Beschwerden stark sind und sich durch Medikamente allein nicht ausreichend oder dauerhaft bessern, entscheiden sich manche Menschen für eine Operation. Gängig ist ein Eingriff, bei dem die Engstellen in den Nasennebenhöhlen erweitert werden. Zusätzlich werden Schleimhautwucherungen (Polypen) und entzündete Teile der Schleimhaut entfernt. Diese Operation wird „funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation“ (FESS) genannt. Sie hat zum Ziel, die Belüftung der Nase sowie das Riechvermögen zu verbessern und einen besseren Abfluss des Nasensekrets zu ermöglichen. Bei dem Eingriff werden die Engstellen mithilfe kleiner Instrumente erweitert, die durch einen Schlauch (Endoskop) in die Nebenhöhlen eingeführt werden.

Leider haben nur wenige aussagekräftige Studien untersucht, ob die FESS die Beschwerden langfristig bessern kann und wie gut die Operation im Vergleich zu Medikamenten wie Kortison hilft. Eine Operation ist aber dann eine Möglichkeit, wenn Kortisonsprays und andere Behandlungen keine ausreichende Linderung gebracht haben. Mit dem Eingriff soll auch erreicht werden, dass Medikamente oder Salzlösungen besser wirken, weil die Mittel nach einer Erweiterung besser die Nasennebenhöhlen erreichen. Auch nach einer Operation kann auf Medikamente meist nicht verzichtet werden, um die Beschwerden zu lindern.

Schwere Komplikationen nach der FESS sind sehr selten. Häufiger sind vorübergehende Nachblutungen, Entzündungen, Blutergüsse oder Geruchsstörungen: Nach unterschiedlichen Schätzungen müssen etwa 5 bis 15 von 100 Menschen nach einem Eingriff mit solchen Nebenwirkungen rechnen. Oft ist die Nase auch für einige Tage nach der Operation verstopft und es können sich Krusten bilden. Dies bessert sich aber schnell. Dagegen dauert es einige Wochen, bis die Wunden in den Nebenhöhlen vollständig abheilen. Eine regelmäßige Nachsorge über einige Wochen ist daher wichtig. Dazu gehört, die Nase mit Salzlösung zu spülen. In der Hals-Nasen-Ohren-Praxis wird die Ärztin oder der Arzt außerdem an mehreren Terminen Wundsekret aus der Nase absaugen.

Ein weiteres operatives Verfahren ist die sogenannte Ballondilatation der Nasennebenhöhlen. Bei dieser Methode wird ein Katheter in die Nase eingeführt und am Eingang der Nebenhöhlen langsam ein kleiner Ballon aufgeblasen. Dies soll die Engstellen am Eingang der Nebenhöhlen ebenfalls erweitern. Das Verfahren eignet sich aber nicht für alle Formen der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung.

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