Beckenbodentraining und Pessare

Foto von Frau mit Gymnastikmatte (PantherMedia / julief514) Regelmäßiges Beckenbodentraining kann die Beschwerden einer Scheiden- und Gebärmuttersenkung lindern. Ein Pessar kann ebenfalls helfen, eignet sich aber nicht für jede Frau.

Bei einer leichten oder mittleren Senkung (Grad 1 bis 3) lässt sich eine Operation oft vermeiden. Manchmal bildet sich eine Senkung auch von selbst wieder zurück oder schreitet zumindest nicht fort. Viele Frauen können sich ausreichend selbst helfen, wenn sie ihren Beckenboden trainieren und / oder ein Pessar verwenden.

Die Behandlungen garantieren jedoch keine Beschwerdefreiheit. Vor allem das Beckenbodentraining kommt an seine Grenzen, wenn die Organe stark abgesunken sind. In Studien zum Beckenbodentraining entschieden sich zwischen 3 und 10 von 100 Frauen nach einiger Zeit doch für eine Operation.

Um zu klären, ob eine Operation infrage kommt, kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden. Sie fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zusammen.

Was ist Beckenbodentraining?

Ein Beckenbodentraining stärkt die Muskeln im unteren Bereich des Beckens. Es ist vor allem bei einer leichten Blasenschwäche (Belastungsinkontinenz) und Druckgefühlen im Unterleib sinnvoll. Bei den Übungen lernt man, die Muskeln im Beckenboden aktiv anzuspannen. Ein Training umfasst verschiedene kurze Übungen, die ohne großen Aufwand zum Beispiel dreimal täglich wiederholt werden. Am besten erlernt man die Beckenbodenübungen bei einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten, um genau das Programm anwenden zu können, das zu den eigenen Beschwerden passt. Dies wird von den Krankenkassen erstattet.

Wie gut hilft Beckenbodentraining?

Ein Beckenbodentraining kann die Beschwerden bei leichteren und mittleren Senkungen (Grad 1 bis 3) lindern und manchmal auch davor schützen, dass die Organe stärker absinken. Die Wirkung des Trainings kann schon nach ein paar Wochen zu spüren sein. Aber nicht bei allen Frauen ist es erfolgreich. Einige haben trotz der Übungen weiter Beschwerden. Damit die Übungen wirken, ist es wichtig, nach vorheriger Anleitung und vor allem regelmäßig zu trainieren. Damit die Beschwerden nicht wiederkommen, müssen die Übungen dauerhaft fortgeführt werden – am besten baut man sie deshalb fest in den Tagesablauf ein. Sie haben normalerweise keine unerwünschten Folgen.

Die Übungen wirken vor allem bei Senkungen im vorderen Becken, in dem die Harnblase und die Harnröhre liegen. Zusätzlich zu einer Operation hilft ein Beckenbodentraining aber vermutlich nicht mehr viel – zumindest in den ersten Jahren nach dem Eingriff nicht. In den bisherigen Studien konnten die Übungen die Beschwerden nicht mehr beeinflussen, wenn die Frauen eine Senkungsoperation hinter sich hatten. Es ist aber nicht geklärt, ob die Übungen langfristig vor einem Rückfall schützen können.

Was ist ein therapeutisches Pessar?

Pessare zur Behandlung – nicht zu verwechseln mit Pessaren zur Verhütung – sind kleine Schalen, Würfel oder Ringe aus Gummi oder Silikon. Ein Pessar wird in die Scheide eingeführt und soll den Organen Halt geben. Pessare beheben so zwar nicht die Ursache der Senkung, sie können die Organe im Becken aber abstützen und in ihrer natürlichen Position halten. Fachleute vermuten zudem, dass das Tragen eines Pessars zur Kräftigung der Beckenboden-Muskulatur beitragen kann.

Pessare gibt es in unterschiedlichen Formen und Größen. Oft müssen mehrere Pessare ausprobiert werden, um ein passendes zu finden. Wenn möglich, werden meist Würfelpessare verwendet, die selbst eingesetzt, entfernt und gereinigt werden können. Bei anderen Modellen wird dies durch die Ärztin oder den Arzt gemacht – in der Regel etwa alle 6 bis 8 Wochen. 

 

Grafik: von oben nach unten: Schalen-, Ring- und WürfelpessarVon oben nach unten: Schalen-, Ring- und Würfelpessar

Wie gut hilft ein Pessar?

Ein gut passendes Pessar kann die Organe im Becken so stützen, dass Blasen- und Darmbeschwerden abnehmen oder ganz verschwinden. Die Senkung selbst kann es nicht beheben. Allerdings finden nicht alle Frauen ein geeignetes Pessar, das ihnen ausreichend hilft.

Ein Pessar kommt beispielsweise infrage, wenn eine Operation vermieden oder hinausgezögert werden soll. Etwa die Hälfte der Frauen, die ein Pessar benutzen, kommen so gut damit zurecht, dass sie es mindestens einige Jahre oder länger tragen. Pessare können auch sinnvoll sein, wenn ein Beckenbodentraining allein nicht hilft.

Haben Pessare Nachteile?

Ein Pessar muss regelmäßig kontrolliert und der Vaginalbereich ärztlich untersucht werden.

Durch den Druck auf die Scheidenschleimhaut können Schleimhautveränderungen bis hin zu Geschwüren entstehen, die sich durch Schmerzen und Blutungen bemerkbar machen. Ein Pessar kann auch die Darmbewegungen behindern. Mit manchen Pessaren ist Geschlechtsverkehr nicht möglich – mit anderen schon, auch wenn sie dann stören können. Würfelpessare lassen sich aber vor dem Geschlechtsverkehr entfernen.

Um Nebenwirkungen zu vermeiden, ist es wichtig, dass das Pessar gut sitzt, regelmäßig gewechselt und gereinigt wird. Eine Gleitcreme erleichtert das Einführen. Nach den Wechseljahren wird empfohlen, die Schleimhaut der Scheide mit einer Hormoncreme zu schützen – es sei denn, eine Frau hatte bereits Brustkrebs oder einen Krebs im Bereich der Geschlechtsorgane.

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