Arten der Insulinzufuhr

Foto von Insulinspritze (PantherMedia / Dmitry Lobanov) Insulin muss in die Blutbahn gelangen, um wirken zu können. Eine Einnahme in Form von Tabletten oder Kapseln ist nicht möglich, weil das Hormon im Magen abgebaut werden würde. Um Insulin ins Blut zu transportieren, gibt es unterschiedliche Methoden.

Üblicherweise wird Insulin in das Fettgewebe der Unterhaut (subkutan) gespritzt. Von dort tritt es dann nach und nach ins Blut über und verteilt sich im Körper. In Deutschland werden vor allem Insulinpens und Insulinpumpen verwendet. Nur wenige Menschen benutzen Spritzen.

Es spricht nichts dagegen, bei der Wahl zwischen Spritze oder Pen den eigenen Vorlieben zu folgen: Die Art des Spritzens hat keine gesundheitlichen Auswirkungen. Studien konnten nur geringe Unterschiede in Bezug auf die Blutzuckerkontrolle feststellen. Mit Pumpen gelingt sie etwas besser als mit Insulinspritzen. Ob Pumpen im Vergleich zu Spritzen oder Pens langfristige gesundheitliche Vor- oder Nachteile haben, ist bisher aber nicht gut erforscht.

Spritzen und Insulinpens

Am Anfang kostet es viele Menschen mit Diabetes Überwindung, sich selbst eine Spritze zu setzen. Das Spritzen von Insulin ist jedoch relativ unkompliziert und dauert mit ein wenig Übung kaum eine Minute: Ampulle vorbereiten, Spritze aufziehen, injizieren, Geräte wieder einpacken.

Noch einfacher anzuwenden sind Insulinpens (pen: englisch für Stift). Sie haben etwa die Größe eines dicken Kugelschreibers. Pens enthalten Ampullen mit einem Insulinvorrat, der je nach Verbrauch etwa für eine Woche reicht. Mit einem Handgriff lässt sich einstellen, wie viele Einheiten gespritzt werden sollen. Mit einem zweiten wird die Dosis über eine dünne Nadel gespritzt. Mit etwas Übung geht das so unauffällig, dass man sich sogar im Restaurant am Tisch Insulin spritzen kann.

Es gibt Einweg-Pens, die fertig mit Insulin befüllt sind und nach Verbrauch weggeworfen werden. Außerdem gibt es verschiedene nachfüllbare Pens. Diese stellen die Insulinhersteller oft kostenlos zur Verfügung. Dabei legt man sich mit der Wahl eines Pens auch auf das Insulin eines bestimmten Herstellers fest. Denn die Form der Insulinampullen und die Befestigung der Injektionsnadel ist von Pen zu Pen so unterschiedlich, dass sich Pen und Ampulle verschiedener Hersteller nicht beliebig kombinieren lassen. Es kann sich also lohnen, verschiedene Pens anzuschauen und sie auszuprobieren, bevor man sich für einen entscheidet.

Insulinpumpen

Moderne Insulinpumpen sind etwas größer als eine Streichholzschachtel. Sie enthalten eine Insulinampulle, einen Akku und die Steuerungselektronik. Zur Verwendung der Pumpe sticht man sich wie bei einer Injektion eine spezielle dünne Nadel in eine passende Stelle. Diese Nadel wird dann mit Pflaster fixiert und über einen dünnen Schlauch (Katheter) dauerhaft mit der Pumpe verbunden. Die Nadel kann ein bis zwei Tage an Ort und Stelle bleiben, danach sollten Injektionsstelle, Nadel und Katheter gewechselt werden.

Die Insulinpumpe hat vor allem zwei Aufgaben: Zum einen wird sie so programmiert, dass sie zur Deckung des Grundbedarfs (Basalrate) regelmäßig eine kleine Menge kurzwirksames Insulin in den Körper pumpt. Zum anderen kann man zu den Mahlzeiten auf Knopfdruck zusätzliche Insulinmengen geben (Insulinbolus), so wie man es auch mit einer Spritze oder einem Pen täte. Diese bedarfsgerechte Insulinzufuhr hilft, starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.

Da die Pumpen selbst programmiert werden, ist dazu einiges an Wissen erforderlich. Auch Erfahrungen mit der intensivierten Insulintherapie, mit der regelmäßigen Selbstmessung des Blutzuckers und selbstständigen Dosisanpassung sind nötig. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die eine Pumpe benutzen, sich besonders gut mit ihrer Krankheit auskennen müssen, um Unter- und Überzuckerungen zu vermeiden.

Pumpen sind nicht für jeden Menschen mit Diabetes eine sinnvolle Alternative. Viele spritzen lieber mehrfach täglich Insulin, als eine Pumpe zu benutzen. Es findet nicht jeder angenehm, dauerhaft eine Nadel und einen dünnen Schlauch am Körper zu tragen.

In Deutschland werden Pumpen speziell bei Patientinnen und Patienten mit größeren Schwankungen des Blutzuckerspiegels eingesetzt – zum Beispiel, wenn der Blutzucker regelmäßig in den frühen Morgenstunden deutlich ansteigt. Ärztinnen und Ärzte sprechen vom „Dawn-Phänomen“ (dawn, engl. = Sonnenaufgang). Eine weitere Gruppe sind Menschen, die sehr flexibel bleiben möchten, zum Beispiel weil sie körperlich sehr aktiv sind. Auch Frauen, die eine Schwangerschaft planen oder bereits schwanger sind, wählen oft eine Insulinpumpe.

Die Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Kosten einer Insulinpumpe bei:

  • stark schwankenden Blutzuckerwerten
  • häufigen, schweren Unterzuckerungen, besonders nachts
  • verminderter Wahrnehmung von Unterzuckerungen
  • einer Schwangerschaft oder geplanten Schwangerschaft

Die Stoffwechselkontrolle gelingt mit Pumpen etwas besser als mit Insulinspritzen. Es gibt aber keine Belege, dass tagsüber dadurch weniger Unterzuckerungen auftreten. Studien deuten allerdings darauf hin, dass es mit Pumpen etwas seltener zu nächtlichen Unterzuckerungen kommt.

Insgesamt gibt es nicht genug Studien zu langfristigen gesundheitlichen Vor- oder Nachteilen von Pumpen im Vergleich zu Spritzen oder Pens. Pumpen verbessern die Diabetes-Behandlung wahrscheinlich nicht dramatisch, sondern sind eher eine nützliche Alternative für Menschen mit bestimmten Problemen oder Vorlieben. Im Allgemeinen sind Personen, die längere Zeit eine Pumpe verwenden, mit der Anwendung zufrieden. Das trifft auch auf Eltern zu, deren Kinder eine Insulinpumpe verwenden. Sie sehen in Pumpen einen Weg zu mehr Flexibilität für die ganze Familie.

Weitere Formen

Nur wenige Menschen mit Diabetes verwenden sogenannte Jet-Injektoren. Mit einem Jet-Injektor wird das Insulin ohne Nadel unter hohem Luftdruck gleichsam durch die Haut gedrückt. Injektoren sind deutlich größer und weniger handlich als Insulinpens und außerdem schlechter zu dosieren. Ob sie Vorteile bringen, ist unklar. Sie sind teurer als Insulinpens oder Insulinspritzen.

Andere Methoden wie zum Beispiel Pflaster, die Insulin in die Haut abgeben, oder unter die Haut verpflanzte Insulinpumpen, sind bisher noch in der Entwicklungs- oder Erprobungsphase.

Insulin kann auch direkt in die Vene gegeben werden, wenn es im Notfall sehr schnell wirken soll. Das sollte dann aber eine Ärztin oder ein Arzt tun.

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