Einleitung

Apixaban (Handelsname Eliquis) ist seit Juli 2014 zur akuten Behandlung von Erwachsenen zugelassen, bei denen eine tiefe Venenthrombose oder eine Lungenembolie aufgetreten ist. Zudem kann der Wirkstoff langfristig in niedriger Dosis eingesetzt werden, um erneuten Thrombosen oder Lungenembolien vorzubeugen.

Eine tiefe Venenthrombose oder eine Lungenembolie entstehen, wenn ein wichtiges Blutgefäß längere Zeit durch ein Blutgerinnsel (medizinisch: Thrombus) verstopft wird. Blutgerinnsel können zum Beispiel entstehen, wenn man seine Beine – etwa nach einer größeren Operation, bei schweren Erkrankungen oder nach größeren Verletzungen – längere Zeit nicht ausreichend bewegen kann.

Die meisten Gerinnsel werden vom Körper so schnell wieder abgebaut, dass sie keine Beschwerden verursachen. Ein Blutgerinnsel kann aber auch mit dem Blutfluss weggeschwemmt werden und an einer anderen Stelle im Körper ein Blutgefäß verstopfen. Gerinnsel in den Venen nennt man Venenthrombosen. Sie treten am häufigsten in den Venen der Unter- und Oberschenkel auf. Wenn ein Gerinnsel in die Lunge gelangt, kann es eine lebensgefährliche Lungenembolie auslösen.

Apixaban hemmt die Blutgerinnung und soll so Venenthrombosen oder Lungenembolien verhindern.

Anwendung

Zur akuten Behandlung einer Venenthrombose oder Lungenembolie wird Apixaban zwei Mal täglich in einer Dosis von 10 mg eingenommen. Nach sieben Tagen wird die Dosis auf zwei Mal täglich 5 mg-Dosis verringert. Die Behandlung kann insgesamt bis zu sechs Monaten fortgesetzt werden. Wenn sie zur Langzeit-Vorbeugung fortgesetzt werden soll, wird Apixaban zwei Mal täglich in einer Dosis von 2,5 mg eingenommen.

Andere Behandlungen

Als Standardtherapien kommen sogenannte Vitamin-K-Antagonisten (zum Beispiel Phenprocoumon und Warfarin) infrage. Da diese Mittel einige Tage brauchen, bis sie ausreichend wirken, wird zu Beginn der Behandlung zusätzlich Heparin (zum Beispiel Enoxaparin) eingesetzt.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Ende 2014 geprüft, welche Vor- und Nachteile Apixaban für Personen mit akuter Venenthrombose oder Lungenembolie im Vergleich zu den bisherigen Standardtherapien hat.

Zur Langzeit-Vorbeugung legte der Hersteller keine geeigneten Daten vor.

Die folgenden Ergebnisse gelten deshalb nur für Patientinnen und Patienten mit akuter Venenthrombose oder Lungenembolie, bei denen die Behandlung maximal sechs Monate dauerte. Eine Hälfte der Personen erhielt Apixaban, die andere Warfarin (zu Beginn der Behandlung ergänzt durch Enoxaparin). Die Daten weisen darauf hin, dass einzelne Vor- und Nachteile von Apixaban vom Body-Mass-Index (BMI) der Patientinnen und Patienten abhängen.

Welche Vorteile hat Apixaban?

  • Größere Blutungen: Hier zeigte sich ein Vorteil für Apixaban. Insgesamt kam es bei etwa 18 von 1.000 mit Enoxaparin / Warfarin behandelten Personen zu einer größeren Blutung. Damit sind Blutungen gemeint, die eine besondere Behandlung wie zum Beispiel eine Bluttransfusion erforderten. Von mit Apixaban behandelten Personen hatten etwa 6 von 1.000 als Nebenwirkung eine größere Blutung.
  • Kleinere Blutungen: Auch hier zeigte sich ein Vorteil für Apixaban. Insgesamt kam es bei etwa 80 von 1.000 mit Enoxaparin / Warfarin behandelten Personen zu einer kleineren Blutung, die aber meist keine besondere Behandlung erforderte. Von mit Apixaban behandelten Personen hatten etwa 38 von 1.000 als Nebenwirkung eine kleinere Blutung.
  • Tiefe Venenthrombosen: Hier weisen die Ergebnisse auf einen Vorteil für Personen mit einem BMI über 28 hin. Bei dieser Gruppe traten während der Einnahme von Apixaban seltener tiefe Venenthrombosen auf als bei Personen, die Enoxaparin / Warfarin einnahmen. Von 1.000 Personen mit BMI über 28, die Apixaban einnahmen, hatten etwa 7 eine tiefe Venenthrombose. Bei Behandlung mit Enoxaparin / Warfarin waren davon etwa 17 von 1.000 Personen betroffen. Für Patientinnen und Patienten mit einem BMI unter 28 zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Behandlungen.

Welche Nachteile hat Apixaban?

  • Lungenembolie: Auch hier hat der BMI offenbar einen Einfluss. Für Patientinnen und Patienten mit einem BMI über 28 zeigte sich hier kein Unterschied zwischen den beiden Behandlungen. Allerdings gibt es hier einen Hinweis, dass Personen mit einem BMI unter 28 einen Nachteil hatten. Bei dieser Gruppe traten während der Einnahme von Apixaban häufiger Lungenembolien auf als bei Personen, die Enoxaparin / Warfarin einnahmen. Von 1.000 Personen mit einem BMI unter 28, die Apixaban einsetzten, hatten etwa 14 eine Lungenembolie. Bei Behandlung mit Enoxaparin / Warfarin waren davon etwa 4 von 1.000 Personen betroffen.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: In beiden Gruppen starben etwa 20 von 1.000 Personen. Ein Unterschied war nicht erkennbar.
  • Schwere Nebenwirkungen: In beiden Gruppen trat bei etwa 120 bis 130 von 1.000 Patientinnen und Patienten eine schwere Nebenwirkung wie eine Atemwegs- oder Gefäßerkrankung oder Infektion auf.
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: Auch hier war kein Unterschied erkennbar. In beiden Gruppen brachen etwa 40 von 1.000 Personen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen wie beispielsweise Magen-Darm-Erkrankungen, Infektionen oder Kopfschmerzen ab.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Lebensqualität: Der Hersteller legte zur Lebensqualität keine Daten vor.
  • Langzeit-Vorbeugung: Welche Vor- und Nachteile Apixaban hat, wenn die Behandlung länger als 6 Monate dauert, ist unklar.

Weitere Informationen

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