Einleitung

Das Arzneimittel Alectinib (Handelsname Alecensa) ist seit Februar 2017 in Deutschland zur Behandlung von fortgeschrittenem Lungenkrebs zugelassen. Es kommt für erwachsene Patientinnen und Patienten infrage, bei denen eine bestimmte Veränderung der Krebszellen zu einem beschleunigten Tumorwachstum führen kann.

Lungenkrebs entsteht durch die bösartige Neubildung von Zellen der Atemwege (Bronchien) und ihrer Aufzweigungen, den Bronchiolen. Deshalb spricht man auch von einem Bronchialkarzinom. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Tumorarten:

  • das kleinzellige Karzinom (englisch: small cell lung carcinoma, SCLC) und
  • das nicht kleinzellige Karzinom (englisch: non small cell lung carcinoma, NSCLC).

Ein nicht kleinzelliges Karzinom wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist es jedoch schon zu groß oder es hat bereits über das Blut- oder Lymphsystem Absiedlungen (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Lungenkrebs.

Manche Menschen mit einem nicht kleinzelligen Lungenkrebs haben ein verändertes Enzym im Tumorgewebe, die sogenannte Anaplastische-Lymphom-Kinase (ALK). Man spricht dann von einem ALK-positiven nicht kleinzelligen Lungenkrebs. Das Enzym ALK kann zum unkontrollierten Wachstum des Tumorgewebes beitragen.

Alectinib soll unter anderem das Enzym ALK und so auch das weitere Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Der Wirkstoff ist als Kapsel in einer Dosierung von 150 mg verfügbar. Morgens und abends werden jeweils 4 Kapseln mit dem Essen eingenommen. Die empfohlene tägliche Dosis von 1200 mg kann bei Unverträglichkeiten verringert werden. Die Therapie wird beendet, wenn der Krebs trotzdem fortschreitet oder zu starke Nebenwirkungen auftreten.

Andere Behandlungen

Für Personen mit fortgeschrittenem ALK-positivem Lungenkrebs, die noch keine Therapie erhalten haben, kommt normalerweise der Wirkstoff Crizotinib infrage. Für Crizotinib-vorbehandelte Personen, die noch keine Chemotherapie erhalten haben, kommt abhängig vom Allgemeinzustand eine platinbasierte Chemotherapie in Kombination mit einem weiteren Zytostatikum infrage - oder eine Einzeltherapie mit Gemcitabin oder Vinorelbin.

Wurden die Personen bereits mit Crizotinib und einer platinbasierten Chemotherapie behandelt, ist eine weitere Chemotherapie mit den Wirkstoffen Docetaxel oder Pemetrexed möglich. Kommt diese nicht infrage, erfolgt eine bestmögliche unterstützende Behandlung (englisch best supportive care, BSC). Die unterstützende Behandlung soll sich an den individuellen Bedürfnissen orientieren, Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2018 geprüft, welche Vor- oder Nachteile Alectinib bei Personen mit fortgeschrittenem ALK-positivem Lungenkrebs im Vergleich zu den oben genannten Therapien hat.

Der Hersteller legte zu beiden Fragestellungen Studien vor:

  • Erstbehandlung bei Personen mit fortgeschrittenem ALK-positivem Lungenkrebs
  • Folgebehandlung bei Personen mit fortgeschrittenem ALK-positivem Lungenkrebs

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Alectinib (Alecensa) bei der - und von fortgeschrittenem Lungenkrebs.