Einleitung

Albiglutid (Handelsname Eperzan) ist seit März 2014 für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes-mellitus zugelassen, bei denen Ernährungsumstellung und Bewegung einen erhöhten Blutzuckerspiegel nicht ausreichend senken. Der Wirkstoff kommt für Personen infrage, die den üblicherweise eingesetzten Wirkstoff Metformin nicht vertragen oder nicht einnehmen sollten. Außerdem kann Albiglutid zusätzlich zu anderen blutzuckersenkenden Medikamenten angewendet werden, wenn diese nicht ausreichen, den Blutzucker zu kontrollieren.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt. Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zunächst noch genug Insulin her, es wird aber von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Kann der Blutzuckerspiegel nicht ausreichend durch Diät und Bewegung gesenkt werden, werden blutzuckerkontrollierende Medikamente eingesetzt.

Die neue Behandlung soll Menschen mit Diabetes mellitus vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und Beschwerden durch Unter- und Überzuckerungen schützen. Zudem sollen Folgeerkrankungen, die durch zu hohen Blutzucker entstehen können, so gut wie möglich vermieden werden.

Anwendung

Albiglutid wird mit einem Einweg-Injektionspen einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt. Den Wirkstoff gibt es als Fertigpen in zwei Dosierungen: 30 oder 50 Milligramm. Die Dosis hängt unter anderem von der zusätzlichen blutzuckersenkenden Therapie, vom Blutzuckerspiegel und der angestrebten Blutzuckereinstellung ab.

Andere Behandlungen

Für Patienten mit Typ-2-Diabetes kommen verschiedene blutzuckersenkende Wirkstoffe einzeln oder als Kombination infrage, dazu gehören Metformin, Sulfonylharnstoffe und Basalinsulin.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Albiglutid Ende 2014 für vier Personengruppen bewertet:

  • als Ersatz für Metformin bei Patientinnen und Patienten, die Metformin nicht vertragen im Vergleich zu einem Medikament aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe (Glibenclamid und Glimepirid).
  • für Personen, die Albiglutid mit mindestens zwei anderen blutzuckersenkenden Medikamenten kombinieren im Vergleich zur Kombination aus Humaninsulin und Metformin.
  • für Personen, die Albiglutid mit einem Basalinsulin kombinieren im Vergleich zur Kombination aus Humaninsulin und Metformin.
  • für Patientinnen und Patienten, die Albiglutid mit einem anderen blutzuckersenkenden Medikament (außer Insulin) kombinieren im Vergleich zu einer Kombination aus Sulfonylharnstoff (Glibenclamid oder Glimepirid) und Metformin.

Für die ersten drei Personengruppen legte der Hersteller keine geeigneten Studien vor. Welche Vor- und Nachteile Albiglutid hier im Vergleich zur jeweiligen Standardtherapie hat, bleibt unklar.

Für Patientinnen und Patienten, die Albiglutid mit einem anderen blutzuckersenkenden Medikament kombinieren, legte der Hersteller eine geeignete Studie vor. In dieser wurde die Kombination aus Albiglutid plus Metformin mit der Kombination aus Glimepirid plus Metformin verglichen. Die folgenden Ergebnisse stammen aus dieser Studie.

Welche Vorteile hat Albiglutid?

  • Symptomatische Unterzuckerungen: Es gab schwache Hinweise, dass bei der Behandlung mit Albiglutid seltener symptomatische Unterzuckerungen auftraten als bei der Behandlung mit Glimepirid. Eine Unterzuckerung, die mit Symptomen und gleichzeitig mit einem Blutzuckerwert von unter 54 mg/dl einherging, wurde beispielsweise in der Glimepirid-Gruppe bei 9 von 100 Personen festgestellt, in der Albiglutid-Gruppe bei 1 von 100 Personen.

Welche Nachteile hat Albiglutid?

  • Hautreaktionen an der Injektionsstelle: Albiglutid kann zu Hautreaktionen an der Injektionsstelle führen.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Unabhängig von der Behandlung verstarben in der Studie nur sehr wenige Patientinnen und Patienten. Es zeigte sich kein Unterschied zwischen Albiglutid und Glimepirid.
  • Schlaganfälle: In beiden Gruppen traten nur wenige Schlaganfälle auf. Auch hier zeigte sich kein Unterschied zwischen den Wirkstoffen.
  • Schwere Unterzuckerungen: Schwere Unterzuckerungen traten in den beiden Gruppen vergleichbar selten auf.
  • Schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche: Schwere Nebenwirkungen wie beispielsweise Infektionen, Herz- oder Magen-Darm-Erkrankungen waren bei beiden Wirkstoffen etwa gleich häufig. Sie traten bei 12 bis 15 von 100 Patientinnen und Patienten auf. Auch bei den Therapieabbrüchen aufgrund einer Nebenwirkung zeigte sich kein Unterschied zwischen den Wirkstoffen: 6 bis 8 von 100 Personen brachen die Behandlung ab.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Lebensqualität: Zur Auswirkung der Behandlung auf die Lebensqualität lagen keine Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den .