Akuter Gichtanfall: Schmerzbehandlung

Foto von Händen auf einer Computer-Tastatur (PantherMedia / Robert Kneschke) Ein Gichtanfall gehört zu den schmerzhaftesten Gelenkbeschwerden. Entzündungshemmende Schmerzmittel und Kortison können die Schmerzen lindern. Alternativ kommt das Gichtmedikament Colchicin infrage – es wirkt aber langsamer.

Gicht wird durch einen erhöhten Harnsäurespiegel verursacht. Wenn die Menge der Harnsäure im Körper eine bestimmte Grenze überschreitet, können sich Kristalle bilden, die sich in den Gelenken ablagern und einen schmerzhaften Gichtanfall auslösen. Meist sind die Schmerzen und die Schwellung nach 6 bis 12 Stunden am stärksten. In der Regel dauert es etwa eine Woche, bis die Schwellung zurückgeht und sich das Gelenk erholt. Akute Schmerzen lassen sich durch entzündungshemmende Schmerzmittel oder eine kurzfristige Kortisonbehandlung lindern. Die Wirkung dieser Medikamente setzt innerhalb einer Stunde ein.

Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)

Zur Gruppe der entzündungshemmenden Schmerzmittel gehören zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen, Indometacin, Naproxen und Etoricoxib. Sie werden auch nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) genannt. Einige dieser Mittel sind in niedrigen Dosierungen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, andere sind verschreibungspflichtig. NSAR können die Schmerzen eines Gichtanfalls wirksam lindern. ASS gehört zwar auch zu den NSAR, ist aber für die Behandlung von Schmerzen bei Gicht eher nicht geeignet. Im Gegenteil – Studien deuten an, dass die Einnahme von niedrig dosierter ASS das Risiko für einen Gichtanfall erhöhen kann.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von NSAR gehören Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Übelkeit. Etoricoxib ist etwas besser verträglich als andere NSAR.

Eine seltenere Nebenwirkung von NSAR sind Magengeschwüre. Wer hierfür ein erhöhtes Risiko hat, kann die Medikamente mit sogenannten Protonenpumpenhemmern wie Omeprazol kombinieren. Sie schützen die Magenschleimhaut und beugen dadurch Geschwüren vor.

Kortison (Kortikoide)

Kortisonpräparate werden in der Regel als Tabletten eingenommen. Studien zeigen, dass sie Schmerzen ähnlich gut lindern wie NSAR. In der Regel wird über fünf Tage das Kortisonpräparat Prednisolon eingesetzt, in einer Dosierung von täglich 3 bis 4 Tabletten mit jeweils 10 mg des Wirkstoffs.

Prednisolon ist vor allem für Magen und Darm besser verträglich als die meisten entzündungshemmenden Schmerzmittel. Eine eher seltene Nebenwirkung sind vorübergehende Hautausschläge.

Kortisontabletten haben einen schlechten Ruf, da sie ernsthafte Nebenwirkungen haben, wenn sie über längere Zeit eingenommen werden. Diese Nebenwirkungen sind aber bei einer kurzfristigen Einnahme zur Behandlung eines Gichtanfalls nicht zu befürchten.

Colchicin

Colchicin ist ein Medikament, das aus der Pflanze „Herbstzeitlose“ gewonnen wird. Vermutlich verhindert es, dass Abwehrzellen in die Gelenke wandern, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind. Colchicin kann akute Gicht wirksam lindern. Wichtig ist, die Behandlung in den ersten 36 Stunden des Gichtanfalls zu beginnen.

Colchicin wird heute nicht mehr so oft eingesetzt, weil es bis zu 24 Stunden dauern kann, bis sich seine ganze Wirkung entfaltet. Es ist aber eine Alternative für Menschen, die andere Mittel nicht vertragen oder aus anderen Gründen nicht nehmen können.

Eine Behandlung mit Colchicin besteht aus der Einnahme von insgesamt vier Tabletten mit je 0,5 mg des Wirkstoffs. Man beginnt mit zwei Tabletten, nimmt nach einer Stunde die dritte und nach einer weiteren Stunde die vierte Tablette. Diese Colchicin-Dosis von zusammen 2 mg vertragen die meisten Menschen gut.

Von höheren Colchicin-Dosierungen raten medizinische Fachgesellschaften ab, da das Mittel dann sehr häufig zu Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen führt. Zudem wirken höhere Dosierungen nach aktuellem Wissen nicht besser. In jedem Fall ist es wichtig, die tägliche Höchstdosis von 6 mg nicht zu überschreiten.

Die Wirkstoffe im Vergleich

In den bisherigen Studien wirkten die unterschiedlichen Mittel ähnlich gut. In der Regel nimmt man bei einem Gichtanfall ein Mittel aus der Gruppe der NSAR wie zum Beispiel Naproxen oder das Kortisonpräparat Prednisolon. Je nachdem, wie stark die Schmerzen sind, können die beiden Mittel auch kombiniert werden.

Die Entscheidung für ein Medikament hängt auch von der persönlichen Situation ab. So sind NSAR für Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente nehmen, eine Magen-Darm-Erkrankung oder eine Nierenschwäche haben, weniger gut geeignet. Für Menschen mit Diabetes oder akuten Infektionen kommt Kortison unter Umständen nicht infrage.

Schlagwörter: E79, Gelenkentzündung, Gicht, M10, M20, Muskeln, Knochen und Gelenke, Nieren und Harnwege