Einleitung

Das Arzneimittel Afatinib (Handelsname Giotrif) ist seit September 2013 in Deutschland zur Behandlung einer bestimmten Form von fortgeschrittenem Lungenkrebs zugelassen. Es kommt für erwachsene Patientinnen und Patienten infrage, bei denen eine bestimmte Veränderung der Krebszellen zu einem beschleunigten Tumorwachstum führen kann.

Lungenkrebs entsteht durch die bösartige Neubildung von Zellen der Atemwege (Bronchien) und ihrer Aufzweigungen, den Bronchiolen. Deshalb spricht man auch von einem Bronchialkarzinom. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Tumorarten:

  • das kleinzellige Karzinom (englisch: small cell lung carcinoma, SCLC) und
  • das nicht-kleinzellige Karzinom (englisch: non small cell lung carcinoma, NSCLC).

Ein nicht-kleinzelliges Karzinom wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist es jedoch schon zu groß oder es hat bereits über das Blut- oder Lymphsystem Absiedlungen (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Lungenkrebs.

Manche Menschen mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs haben ein verändertes Eiweiß im Tumorgewebe, auch epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor (englisch: epidermal growth factor receptor, EGFR) genannt. Der veränderte Rezeptor kann zum unkontrollierten Wachstum des Tumors beitragen. Er kann in unterschiedlichen Formen (Mutationen) vorkommen. Die wichtigsten heißen medizinisch „Del19-“ und „L858R-Mutation“. Der Wirkstoff Afatinib soll den veränderten Rezeptor blockieren und so das Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Afatinib wird einmal täglich als Tablette eingenommen. Drei Stunden vor und eine Stunde nach der Einnahme sollte nichts gegessen werden. Der Wirkstoff ist in vier Dosierungen verfügbar: 20, 30, 40 und 50 mg. Die empfohlene Dosis beträgt 40 mg einmal täglich. Die Dosierung hängt von der Verträglichkeit und den Nebenwirkungen ab und kann individuell angepasst werden. Die Therapie wird beendet, wenn die Erkrankung trotzdem fortschreitet oder starke Nebenwirkungen auftreten.

Andere Behandlungen

Für Erwachsene mit fortgeschrittenem Lungenkrebs kommt je nach Gesundheitszustand und bereits erfolgter Therapie eine Standardbehandlung unter anderem mit den Wirkstoffen Gefitinib, Erlotinib, Gemcitabin, Vinorelbin oder eine Kombination aus Cisplatin und einem weiteren Zytostatikum infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2014 und 2015 geprüft, welche Vor- und Nachteile Afatinib bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs mit einem veränderten EGF-Rezeptor hat. Für die Bewertung legte der Hersteller dem IQWiG eine relevante Studie vor: Darin erhielt eine Gruppe Afatinib, die andere Gruppe erhielt eine Kombinationstherapie aus den Wirkstoffen Cisplatin und Pemetrexed. An dieser Studie nahmen nur Patientinnen und Patienten teil, die vorher noch keine Chemotherapie erhalten hatten.

Die Studie zeigt, dass die Ergebnisse der Behandlung mit Afatinib auch davon abhängen, welche Veränderung der Tumor aufweist. Die Ergebnisse sind deshalb für Patientinnen und Patientinnen danach getrennt, ob der Tumor eine der folgenden Veränderungen aufweist:

  • Del19-Mutation des EGF-Rezeptors
  • L858R-Mutation des EGF-Rezeptors
  • andere Mutationen des EGF-Rezeptors

Die Frage, welche Vor- und Nachteile Afatinib bei Personen hat, die vorher bereits mit einer anderen Chemotherapie behandelt wurden, kann nicht beantwortet werden. Dazu wurden vom Hersteller keine Daten vorgelegt.

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den .

Allgemeine Informationen über mögliche Nebenwirkungen von Afatinib finden sich im Beipackzettel.