Afatinib bei anderen Mutationen des EGF-Rezeptors

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2015 geprüft, welche Vor- und Nachteile Afatinib bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs mit einem veränderten EGF-Rezeptor hat. Für die Bewertung legte der Hersteller dem IQWiG eine relevante Studie vor. An dieser Studie nahmen nur Patientinnen und Patienten teil, die vorher noch keine Chemotherapie erhalten hatten. Eine Gruppe erhielt Afatinib, die andere Gruppe erhielt eine Kombinationstherapie aus den Wirkstoffen Cisplatin und Pemetrexed.

Die folgenden Ergebnisse gelten für Patientinnen und Patienten, bei denen andere Mutationen des EGF-Rezeptors als Del19 oder L858R nachgewiesen werden konnten.

Welche Vorteile hat Afatinib?

  • Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall und Husten: Eine Krebserkrankung kann mit einer Vielzahl von Beschwerden einhergehen. Es gibt schwache Hinweise, dass bei Patientinnen und Patienten bei der Therapie mit Afatinib bestimmte Beschwerden seltener auftreten als bei Personen mit der Vergleichstherapie (Cisplatin plus Pemetrexed). In der Afatinib-Gruppe hatten die Patientinnen und Patienten weniger Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall oder Husten.
  • Körperliche Funktion: Die Studie zeigt schwache Hinweise, dass mit Afatinib behandelte Patientinnen und Patienten ihre körperliche Funktion besser einschätzen als bei der Behandlung mit Cisplatin plus Pemetrexed. Das gilt aber nur für Patientinnen und Patienten unter 65 Jahren.
  • Schmerzen: Für Personen unter 65 Jahren gibt die Studie schwache Hinweise, dass Afatinib Schmerzen lindern kann. Waren die Patientinnen und Patienten 65 Jahre oder älter, gab es keinen spürbaren Unterschied für die Personen in beiden Gruppen.
  • Verstopfung: Es gibt schwache Hinweise, dass die Afatinib-Therapie seltener zu Verstopfungen führte als die Vergleichstherapie. Das gilt aber nicht für Patientinnen und Patienten asiatischer Abstammung.

Welche Nachteile hat Afatinib?

  • Lebenserwartung: Für Patientinnen und Patienten mit anderen Veränderungen des Rezeptors (nicht-Del19 und nicht-L858R) zeigt sich ein schwacher Hinweis auf einen Nachteil von Afatinib. Von den Personen, die Afatinib erhielten, war die Hälfte nach etwa 15 Monaten verstorben. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Cisplatin plus Pemetrexed erhielten, lebte die Hälfte 41 Monate oder länger.
  • Durchfall, schmerzende Mundschleimhäute oder Schluckbeschwerden: Die Studie liefert schwache Hinweise, dass bei der Behandlung mit Afatinib bestimmte Beschwerden häufiger auftreten als bei der Behandlung mit Cisplatin plus Pemetrexed. Dazu gehören Durchfall, schmerzende Mundschleimhäute oder Schluckbeschwerden.
  • Lebensqualität: Es gibt einen schwachen Hinweis, dass ältere Patientinnen und Patienten (ab 65 Jahren) mit der Afatinib-Therapie ihren Gesundheitszustand schlechter einschätzen als mit der Behandlung Cisplatin plus Pemetrexed.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Atemnot, Erschöpfung, Bluthusten, Appetitverlust, Schlaflosigkeit und Nervenentzündungen (periphere Neuropathie): Bei diesen Beschwerden zeigte sich kein Unterschied zwischen der Behandlung mit Afatinib im Vergleich zu Cisplatin plus Pemetrexed.
  • Schwere Nebenwirkungen und Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen: Im Hinblick auf einzelne Nebenwirkungen zeigten sich Vorteile, für andere Nachteile von Afatinib. Insgesamt ergab sich kein Hinweis darauf, dass sich die Nebenwirkungen zwischen Afatinib und Cisplatin plus Pemetrexed wesentlich unterscheiden.