Einleitung

Abirateron (Handelsname Zytiga) ist seit November 2017 für Männer mit neu diagnostiziertem Hochrisiko-metastasiertem Prostatakrebs zugelassen, für die eine Therapie mit einer Hormonblockade infrage kommt.

Bei metastasiertem Prostatakrebs haben sich bereits Tumor-Absiedlungen in anderen Körperbereichen gebildet, sodass eine Heilung nicht mehr möglich ist. Die Krebszellen benötigen männliche Geschlechtshormone, sogenannte Androgene, um zu wachsen. Das wichtigste Androgen ist Testosteron. Wird die körpereigene Androgenproduktion gehemmt, kann das Tumorwachstum gebremst und die Erkrankung aufgehalten werden. Wenn der Krebs auf eine solche Hormonblockade empfindlich reagiert, sprechen Fachleute von einem „hormonsensitiven“ Prostatakarzinom.

Abirateron wird mit Prednison oder Prednisolon und einer sogenannten Androgendeprivationstherapie (ADT) kombiniert. Bei einer ADT wird die Androgenproduktion in den Hoden durch Medikamente blockiert oder die Hoden werden operativ entfernt. Abirateron soll zusätzlich die Androgenproduktion außerhalb der Hoden, wie beispielsweise in den Nebennieren oder im Tumorgewebe blockieren, um das weitere Tumorwachstum zu hemmen.

Anwendung

Abirateron ist als Tablette in einer Dosierung von 250 mg und 500 mg verfügbar. Es wird einmal am Tag (insgesamt 1000 mg) eingenommen. Man nimmt Abirateron frühestens zwei Stunden nach dem Essen ein und isst danach mindestens eine Stunde lang nichts. Kommt es zu sehr starken Nebenwirkungen, wird die Behandlung beendet.

Andere Behandlungen

Als Standardbehandlung kommt für Männer mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs eine ADT infrage. Die Therapie kann durch nicht steroidale Antiandrogene (wie Flutamid oder Bicalutamid) ergänzt werden.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, welche Vor- und Nachteile Abirateron für Männer mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakrebs im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Der Hersteller legte zur Auswertung zwei noch laufende Studien vor. In der einen Studie konnten die Daten von 1199 Männern ausgewertet werden, von denen 597 Abirateron und Prednison erhielten und 602 Männer ein Scheinmedikament. Beide Gruppen erhielten zusätzlich eine ADT. In der zweiten Studie wurden die Daten von 1002 Männer ausgewertet, von denen 500 mit Abirateron, Prednison oder Prednisolon und einer ADT behandelt wurden. Die anderen 502 Männer erhielten nur eine ADT.

Welche Vorteile hat Abirateron?

  • Lebenserwartung: Die Studien belegen, dass Abirateron das Leben verlängern kann. So waren in der größeren Studie nach etwa 3 Jahren etwa 50 von 100 Männer, die der Standardtherapie zugeteilt wurden, noch am Leben. Im Vergleich hierzu waren zum gleichen Zeitpunkt etwa 70 von 100 Männern, die mit Abirateron behandelt wurden, noch am Leben.
  • Knochenereignisse: Hier weisen die Studien auf einen Vorteil von Abirateron im Vergleich zu den Standardtherapien hin. Beispielsweise traten Knochenbrüche unter der Abirateron-Therapie seltener auf.
  • Schmerzen und Erschöpfung: Bei diesen Beschwerden deuten die vorliegenden Daten einer Studie auf einen Vorteil für Abirateron hin: Mit Abirateron trat eine Zunahme der Schmerzen oder Erschöpfung seltener auf als mit der Standardtherapie.
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Hier deutet eine Studie ebenfalls auf einen Vorteil hin. Bei der Hälfte der mit Abirateron behandelten Männer trat eine Verschlechterung der Lebensqualität innerhalb der ersten 13 Monate auf. Bei der Hälfte der mit der Standardtherapie behandelten Männer war das bereits innerhalb der ersten 8 Monate der Fall.

Welche Nachteile hat Abirateron?

  • Schwere Nebenwirkungen: Hier deutet eine Studie auf einen Nachteil von Abirateron hin. War die Hälfte der Männer mit Abirateron schon innerhalb der ersten 14 Monate betroffen, war das bei der Hälfte der Männer mit der Standardtherapie erst innerhalb der ersten 20 Monate der Fall.
  • Schwere Herzerkrankungen: Auch hier deutet eine Studie auf einen Nachteil von Abirateron im Vergleich zur Standardtherapie hin.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Es zeigte sich kein spürbarer Unterschied bei:

  • Gesundheitszustand
  • Beeinträchtigung des Alltags durch Schmerzen oder Erschöpfung
  • Lokalen Prostatabeschwerden
  • Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen
  • Wassereinlagerungen (Ödeme)

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den .